82 Der Mysticismiis.
Gehirn trifft, um in ihm kraft der gewohnheitsmäßigen Ge-sellung der Erinnerungsbilder auch die übrigen Reize der-selben Gruppe wachzurnfen. Gleichzeitigkeit der Eindrücke istalso eine Ursache von Jdeen-Assoziation.
Eine und dieselbe Eigenschaft kommt vielen Erscheinungenzu. Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die blau, dierund, die glatt sind. Der gemeinsame Besitz einer Eigenschaftbedingt Aehnlichkeit, die um so größer ist, je zahlreicher die ge-meinsamen Eigenschaften sind. Jede einzelne Eigenschaft ge-hört aber zu einer gewohnheitsmäßig gesellten Gruppe vonEigenschaften und kann durch den Mechanismus der Gleich-zeitigkeit das Erinnerungsbild dieser Gruppe wachrufen. In-folge der Aehnlichkeit werden also die Erinnerungsbilder allerGruppen wachgerufcn werden können, denen die ihre Aehnlich-keit bedingende Eigenschaft gemeinsam ist. Blaue Farbe istz. B. eine Eigenschaft, die zugleich dem heitern Himmel, derKornblume, dem Meere, gewissen Augen, manchen militärischenUniformen zukommt. Die Wahrnehmung von Blau wird dieErinnerung an manche oder viele blaue Dinge erwecken, dienicht anders als durch diese ihnen gemeinsame Farbe Zu-sammenhängen. Aehnlichkeit ist also eine zweite Ursache derJdeen-Assoziation.
Es ist eine Eigentümlichkeit der Hirnzelle, daß sieimmer mit einer Vorstellung zugleich deren Gegenteil aus-arbeitet. Wahrscheinlich ist das, was wir als Gegentheilwahrnehmen, in seiner ursprünglichsten und einfachsten Formüberhaupt blos das Bewußtwerden des Aufhörens einer be-stimmten Vorstellung. Wie Ermüdung der Sehnerven durcheine Farbe die Empfindung der Komplementär-Farbe erweckt,so erscheint bei der Erschöpfung einer Hirnzelle durch die Aus-arbeitung einer Vorstellung die entgegengesetzte Vorstellung imBewußtsein. Diese Deutung sei nun richtig oder nicht, die That-sache selbst ist durch den von K. Abel gefundenen „Gegensinn