Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

52

Rin äs 8isois>

nun sind es, welche sich beeilen, jeder neuen Richtung, die inMode zu kommen scheint, den Troß zu liefern. Sie sindnaturgemäß immer die Allcrmodernsten, denn kein Gebot derEigenart, kein künstlerisches Gewissen hindert sie, mit stetsgleicher Handwerkerbeflissenheit das jeweilige neueste Musterverhunzend nachzuahmen. Geschickt im Absehen der Äußerlich-keiten, unbedenkliche Abschreiber und Nachäffer, drängen sie sichum jede eigenartige Erscheinung, sie sei krankhaft oder gesund,und machen sich ohne Zeitverlust daran, von ihr gefälschte Ab-drücke in Umlauf zu setzen. Heute sind sie Symbolisten, wiesie gestern Realisten oder Pornographen waren. Sie schreibenmit derselben Geläufigkeit Mysterien, wenn sie sich von diesenRuhm und Absatz versprechen, wie sie Ritter- und Räuber-romaue, Abenteuer, römische Tragödien und Dorfgeschichtenfabrizirteu, als bei der Zeitungskritik und dem Publikummehr nach diesen Sachen Nachfrage zu sein schien. DiesePraktikanten, die, es sei wiederholt festgestellt, die große Mehr-heit der geistigen Arbeiter, also auch der Mitglieder vonMode-Sekten in Kunst und Schriftthum ausmachen, sind nunallerdings geistig ganz gesund, wenn auch auf einer recht tiefenEntwickelungsstufe stehend, und wer sie prüfen würde, könnteleicht die Richtigkeit der DiagnoseDegeneration" für die Be-kenner der neuen Lehren anzweifeln. Man muß deshalb beider Untersuchuug einige Vorsicht üben und stets die gutgläubigenUrheber von den nachahmenden Strebern unterscheiden, denReligionsstifter und seine Apostel von dem Janhagel, dem esnicht um die Bergpredigt, sondern um den wunderbaren Fisch-zug und die Vermehrung der Brode zu thun ist.

Es ist uun gezeigt worden, wie die Schulen entstehen:sie gehen aus der Degeneration der Schaffenden und ihrerüberzeugten Nachahmer hervor. Daß sie in Mode kommen, einigeZeit lang lärmende Erfolge erringen können, hat seinen Grundwieder in den Eigentümlichkeiten der Empfangenden, ^ des