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Menschen niemals auch nur entfernt in diesem Maße zu be-obachtende Selbstverliebtheit. Sein eigenes Ich steht riesengroßvor dem innern Auge des Hysterikers und füllt seinen geistigenGesichtskreis so vollständig aus, daß es ihm die ganze übrigeWelterscheinung verdeckt. Er duldet auch nicht, daß andere ihnübersehen. Er will, daß er den Mitmenschen ebenso wichtig sei,wie er sich selbst ist.j „Ein unablässiges Bedürfniß verfolgt undbeherrscht den Hysteriker, seine Umgebung mit seiner Personzu beschäftigen." i) Ein Mittel, dieses Bedürfniß zu befriedigen,ist das Ersinnen von Geschichten, durch die er interessant wird.Daher die abenteuerlichen Erlebnisse, die oft genug die Polizeiund die Berichterstattung der Tagespresse beschäftigen. DerHysteriker wird in der belebtesten Straße von unbekanntenMännern eingefallen, beraubt, mißhandelt, verwundet, in eineentlegene Gegend geschleppt und sterbend liegen gelassen. Er-rafft sich mühselig auf und erstattet bei der Polizei die Anzeige.Er kann an seinem Körper die empfangenen Wunden vorweisen.Er gibt alle Einzelheiten an. Und an der ganzen Sache ist keinwahres Wort, es ist Alles erträumt und eingebildet und dieWunden hat er sich selbst beigebracht, um einen Augenblicklang der Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zuwerden. In den geringeren Graden der Hysterie nimmt diesesBedürfniß, aufzufallen, harmlosere Formen an. Es äußertsich in Wunderlichkeiten der Tracht und des Benehmens.„Die Hysteriker lieben leidenschaftlich grelle Farben und aus-schweifende Formen, sie wollen den Blick auf sich ziehen undvon sich reden machen."
Es ist Wohl nicht nothwcndig, den Leser erst noch be-sonders darauf aufmerksam zu machen, wie vollständig diesesklinische Bild des Hysterikers sich mit der Schilderung derEigenheiten des kin-äs-siools-Publikums deckt und wie wir in.
') Oillss äs la lourstts, a. a. O-, S. 303.
2) UsAi-säo, a. a. O., S. 39.