Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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läu äs Lieds.

Mit der bezeichnenden Niedergeschlagenheit des Entarte-ten ist in der Regel eine Abneigung gegen alles Handeln ver-bunden, die bis zmn Abscheu vor der Thätigkeit und bis zumUnvermögen des Wollens (Abulie") gesteigert sein kann. Nunist es eine jedem Psychologen bekannte Eigenthümlichkeit desmenschlichen Geistes, daß er, da das Gesetz der Ursächlichkeitsein ganzes Denken beherrscht, allen eigenen Entschließungenverständliche Gründe unterlegt. Schon Spinoza hat das hübschausgedrückt, als er sagte:Weun ein von Menschenhand ge-schleuderter Stein denken könnte, würde er sich gewiß eiubilden,er fliege, weil er fliegen wolle." Viele Seelenzustände undHandlungen, deren wir uns bewußt werden, sind die Folge vonUrsachen, die uns nicht zum Bewußtsein kommen. In diesemFalle erfinden wir für sie nachträglich Gründe, die unser see-lisches Bedürfniß nach klarer Ursächlichkeit befriedigen, und wirüberreden uns ohne Mühe, daß wir sie nunmehr wirklich er-klärthaben. Der thatenscheue, willenlose Entartete,der nicht ahnt,daß seine Unfähigkeit zum Handeln eine Folge seiner ererbtenGehirn-Mängel ist, macht sich selbst weis, daß er aus freierEntschließung das Handeln verachte und sich in Thatlosigkeitgefalle, und um sich in den eigenen Angen zu rechtfertigen,baut er sich eine Philosophie der Entsagung, der Weltabkehrund Menschenverachtung auf, gibt vor, er habe sich von derVorzüglichkeit des Quietismus überzeugt, nennt sich voll Selbst-bewußtsein einen Buddhisten und rühmt in dichterisch beredtenWendungen die Nirvanah als das höchste und würdigsteIdeal des Menschengeistes. Die Degenerirten und Irren sinddie vorbestimmte Gemeinde von Schopenhauer und Hartmannund sie brauchen den Buddhismus blos kennen zu lernen, umzu ihm bekehrt zu werden.

Mit der Unfähigkeit zum Handeln hängt die Vorliebe zurleeren Träumerei zusammen. Der Entartete ist nicht im Stan-de, seine Aufmerksamkeit lange oder überhaupt auf einen Punkt