Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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ki» äs Lisols.

Ein anderes geistiges Stigma der Entarteten ist ihreEmotivität. MorelU) hat aus dieser Eigenschaft sogar ihr Haupt-Kennzeichen machen wollen, doch, wie mir scheint, mit Unrecht,denn sie kommt in demselben Maße auch den Hysterikern zu,ja sie findet sich bei ganz gesunden Menschen, die durch irgendeine vorübergehende Ursache, durch Krankheit, Erschöpfung,eine starke seelische Erschütterung, zeitweilig geschwächt sind.Immerhin ist sie eine Erscheinung, die beim Degenerirten seltenfehlen wird. Er lacht bis zu Thränen oder weint reichlichauf eine unverhältnißmäßig schwache Anregung, bei einer ge-wöhnlichen Zeile in Vers oder Prosa rieseln ihm Schauer denRücken hinab, vor gleichgiltigen Bildern oder Statuen geräther in Verzückung und ganz besonders die Musik,aucheine flaue und wenig verdienstliche, gibt ihm die heftigste Ge-müthsbewegung. Er ist sehr stolz darauf, daß er ein so starkschwingendes Tonwerkzeug sei, und rühmt sich, daß er dort seinganzes Innere durchwühlt, sein ganzes Wesen gelöst fühleund die Wonne des Schönen bis in die Fingerspitzen empfinde,wo der Philister gänzlich kalt bleibt. Seine Erregbarkeitscheint ihm eine Ueberlegenheit, er glaubt, er habe ein beson-deres Verständniß, das den übrigen Sterblichen abgeht, under verachtet gerne die Banausen wegen der Stumpfheit undVerschlossenheit ihrer Sinne. Der Unglückliche ahnt nicht, daßer auf eine Krankheit eingebildet ist und sich einer Geistes-störung rühmt, und gewisse alberne Kritiker,, welche aus Furcht,für verstäudnißlos erklärt zu werden, verzweifelte Anstrengungenmachen, um angesichts irgend eines flauen oder lächerlichenWerkes die Gemüthsbewegungen eines Degenerirten nachzn-

st Morel, Du äslirs önwtik. ^rokivss Ksnsralss, 6°mo. 85ris.7. Band, Seite 385 und 530. Siehe auch Roubinovitch, a. a. O. Seite 53.

st I. Roubinovitch, a. a. O. Seite 68:Die Musik erregt ihnlebhaft."