Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

blln äs Lisels.

23

vor Allem dunkel sein. Das Verständliche ist marktgängig undnur für den Pöbel gut. Es muß ferner einen gewissenmild salbungsvollen, nicht allzu aufdringlichen Predigertonanschlagen und schlupfrigen Auftritten thränenfcuchte Aus-brüche der Liebe zu allen Leidenden und Niedrigen oder loderndeAufflüge inbrünstiger Gottgläubigkeit folgen lassen. Sehrbeliebt sind Gespenstergeschichten, die aber in wissenschaft-licher Verkleidung, als Hypnotismus, Telepathie, Somnambulis-mus, auftreten müssen, Puppenspiele, in welchen naiv thuende,aber geriebene Kumpane die abgestandensten Balladenfigurcnwie kleine Kinder oder Blödsinnige lallen lassen, und esote-rische Romane, in denen der Dichter andeutet, daß er überMagie, Kabbala, Fakirismus, Astrologie und andere weiße undschwarze Künste viel sagen könnte, wenn er nur wollte. Manberauscht sich an den nebelhaften Wortfolgen symbolistischer Ge-dichte, Ibsen entthront Goethe, Maeterlinck wird Shakespearean die Seite gestellt, Nietzsche erklären deutsche und selbst fran-zösische Kritiker für den ersten deutschen Schriftsteller der Ge-genwart, dieKrcutzersonate" ist die Bibel von liebessröhlichenDamen, die ihre Liebhaber nicht mehr zählen können, feineHerren finden die Gassenhauer und Schelmenlieder von Jouy,Bruant, Mac Nab und Tanroffsehr distingus" wegen desin ihnen kreisenden warmen Mitleids" (die zwischen Gänse-füßen stehenden Worte sind eine Formel) und Weltkinder,die nur an Baccara und Börse glauben, wallfahren zu denOberammergauer Bauernmysterien und wischen sich die Augenbei Verlaine's Anrufungen der heiligen Jungfrau.

Kunstausstellungen, Konzerte, Theater und Bücher, wärensie auch noch so außerordentlich, genügen aber dem ästhetischen Be-dürfnisse der eleganten Gesellschaft nicht. Sie sucht unbekannteBefriedigungen. Sie verlangt gesteigerte Anregungen und hofftsie in Schaustellungen zu finden, in welchen verschiedene Kunst-arten in neuen Verknüpfungen auf alle Sinne zugleich zu