Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
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Itiu äs 81so!s.

ein fernes Ufer Vortäuschen, das bald als verschwimmendeLuftspiegelung erkannt wird. Die Musik muß fortwährendversprechen, darf aber nie halten, sie muß thun, als wollte sieein großes Geheimniß erzählen, und verstummen oder abschwei-fen, ehe sie das mit Herzklopfen erwartete Wort gesprochen.Der Hörer sucht im Konzertsaal Tantalus-Stimmungen undverläßt ihn mit der tiefen Nerven-Erschöpfung des jungenLiebespaares, das beim nächtlichen Stelldichein stundenlangdurch ein engvergittertes Fenster zu kosen gesucht bat.

Die Bücher, an welchen das hier geschilderte Publikumsich ergötzt oder erbaut, verbreiten einen merkwürdigen Parfüm, inwelchem Weihrauch, Dan äs Dnllin und Unrath unterschiedenwerden können, mit abwechselndem Vorwiegen des einen oder desandern dieser Gerüche. Mit dem bloßen Kloakendunste macht mannichts mehr. Die Koth-Dichtung Zolas und seiner Lehrlingeim schriftstellerischen Kanalrämner-Berufe ist überwunden unddarf sich nur noch an zurückgebliebenere Gesellschaftsschichtenund Völker wenden. Die Klasse, die im Vordertrcssen derGesittung einherzieht, hält sich die Nase vor der Senkgrubedes ungemilderten Naturalismus zu und beugt sich mit Teil-nahme und Neugierde über sie erst dann, wenn mit schlauenKanalisationskünsten auch etwas Boudoir- und Sakristeidufthineingeleitet worden ist. Bloße Sinnlichkeit gilt für gewöhnlichund wird erst als zulässig angesehen, wenn sie in Form vonWidernatürlichkeit und Entartung auftritt. Bücher, in denenblos die Beziehungen des Mannes zum Weibe behandelt werden,und wäre es auch noch so unverschleiert, scheinen geradezuschal sittlich. Die elegante Prickelei beginnt erst, wo die regel-rechte Geschlechtlichkeit aufhört. Priapus ist zum Tugend-Sinn-bild geworden. Das Laster sieht sich nach Verkörperungenin Sodom und Lesbos, in Ritter Blaubarts Schlosse und imDienstbotenzimmer der Justine desgöttlichen" Marquisde Sade um. Das Buch, das in Mode kommen will, muß