Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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käu äs Lisels.

erregt in ihm nicht die Gelüste schwangerer Frauen nnddrückt sich nicht in neuen ästhetischen Bedürfnissen ans. DerPhilister nnd der Proletarier, wenn er sich nicht vomhöhnischen Blick eines Modemenschen beobachtet weiß und sichohne Zwang seinen eigenen Neigungen hingibt, findet nochimmer ungemischte Befriedigung an den alten nnd ältestenKunst- und Dichtungsformen. Er zieht Ohnets Romane allenSymbolisten und MascagnisBauernehre" allen Wagner-Schülern und Wagner selbst vor; er unterhält sich königlichbei Ohrfeigen-Possen nnd Tingeltangel-Gassenhauern und gähntoder ärgert sich bei Ibsen; er bleibt bei Oelfarbendrucken nachMünchener Bierkneipen- und Banernschenken-Bildern ver-gnügt stehen und geht an den Freiluftmalern ohne einen Blick vor-über. Nur eine ganz kleine Minderheit findet an den neuenRichtungen aufrichtig Gefallen und verkündet sie mit echterIleberzeugung als die allein berechtigten, als die allein in dieZukunft führenden, Genuß und Erbauung gewährenden. Aberdiese Minderheit hat die Gabe, die ganze sichtbare Oberflächeder Gesellschaft einzunehmen, wie eine sehr geringe Menge Ölsweite Ausdehnungen des Meeresspiegels zu bedecken vermag.Sie besteht meist aus reichen und vornehmen Leuten oder ausFanatikern; jene geben allen Gecken, Thoren und Flachköpfenden Ton an, diese machen ans die Schwachen und Unselbst-ständigen Eindruck und schüchtern die Ängstlichen ein. AlleSnobs heucheln, denselben Geschmack zu haben wie die aus-schließende und sich absondernde Minderheit, die mit Mienentiefster Verachtung an allem vorübergeht, was bisher für schöngalt, und so kann der Schein entstehen, als ob die ganze gesitteteMenschheit zur Völkerdämmerungs-Aesthetik bekehrt wäre.