Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
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§in äs Lisels. 5

Aber so thöricht das Wort6n clo siools" sein mag, dieGeistesbeschasfenheit, die es bezeichnen soll, ist in den führendenGruppen thatsächlich vorhanden. Die Zeitstimmung ist eineseltsam wirre, ans fieberhafter Rastlosigkeit und stumpfer Ent-muthigung, ans ahnender Furcht und verzichtendem Galgenhumorzusammengesetzte. Die vorherrschende Empfindung ist dieeines Untergchens, eines Erlöschens.l?in äs sioolo" ist einBeicht-Bekcnutuiß und zugleich eine Klage. Der alte nordischeGlaube enthielt die schauerliche Lehre von der Götterdämmerung.In unseren Tagen erwacht in den höher entwickelten Geisternein dunkles Bangen vor einer Völkerdämmerung, in der alleSonnen und Sterne allmälig verglimmen und inmitten dersterbenden Natur die Menschen mit allen ihren Einrichtungenund Schöpfungen vergehen.

Es ist nicht das erstemal im Laufe Ler Geschichte, daßein Weltuntergangs-Grauen die Geister erfaßt. Beim Heran-nahcn des Jahres 1000 bemächtigte sich der christlichen Völkerein ähnliches Gefühl. Aber der chiliastische Schrecken unter-scheidet sich doch wesentlich von den kin-cko-sioolo-Erregungen.Die Verzweiflung der Menschen um die Wende des erstenJahrtausends christlicher Zeitrechnung ging ans einem Gefühleder Lebensfülle und Lebenslust hervor. Man spürte die Säftein allen Gliedern ungestüm kreisen, man hatte das Bewußtseinungeschwächter Genußfähigkeit und fand cs unverwindbar ent-setzlich, zusammen mit der Welt nnterzugehen, da cs noch soviele Becher zu leeren und Lippen zu küssen gab und man sichder Liebe wie des Weines noch so kraftvoll erfreuen konnte.Davon ist in der kn-äs-siöols-Empfindung nichts enthalten.Sie hat auch nichts mit der ergreifenden Abendroth-Schwer-muth eines Faust gemein, der im Alter sein Lebenswerk über-blickt, ans das Gelungene stolz ist, aber bei der Betrachtungdes Begonnenen, nicht Vollendeten vom heftigen Verlangen,es vollbracht zu sehen, ergriffen wird und, von seiner treibenden