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Hu äs Lisels.
nach einer blühenden Kindheit, fröhlichen Jngend und kräftigenReife allmälig altert und verfällt, um mit dem Ablause deshundertsten Jahres zu sterben, nachdem es in seinem letztenJahrzehnte von allen Gebrechen kläglicher Greisenhaftigkeitheimgesucht war. Dieser kindische Anthropo- oder Zoomor-phismus bedenkt nicht einmal, daß die willkürliche Theilung derewig gleichmäßig dahinrollenden Zeit nicht bei allen gesittetenMenschen die nämliche ist und daß zu derselben Zeit, da dasverkörpert gedachte neunzehnte Jahrhundert der Christenheit an-geblich in tiefster Erschöpfung seinem Tode entgegensiecht, dasvierzehnte Jahrhundert der mohamcdanischen Welt noch in denKinderschuhen seines ersten Jahrzehnts dahinhüpft und dassiebenundfünfzigste Jahrhundert der Juden mit seinem zweiund-fünfzigsten Jahre gerade auf der Höhe seiner Entwicklung statt-lich einherschreitet. Jeden Tag wird auf unserm Erdball einGeschlecht von 130000 Menschen geboren, für das die Weltmit diesem Tage neu beginnt, und der junge Weltbürger istweder welker noch frischer, ob er nun l900 inmitten des Todes-kampfes des neunzehnten oder 1901 am Geburtstage des zwan-zigsten Jahrhunderts ins Leben gesprungen ist. Es ist aberfranzösische Sprachgepflogenheit, für das eigene MißgeschickAndere zu bedauern. Mau kann in Frankreich jeden TagReden wie diese hören: „Mein armer Freund, wissen Sie, wasgeschehen ist? Ich habe mein ganzes Vermögen verloren!"Diese den Deutschen gewiß wunderlich anmutheude Redeweisegeht aus der unbewußt selbstverliebten Vorstellung des Franzosenhervor, daß das, was ihn betrifft, für die ganze Welt vonhöchster Wichtigkeit und seine jämmerliche Lage für die übrigeMenschheit mindestens ein ebenso großes Unglück ist wie fürihn selbst. Dieser naiv egoistischen Denkgewohnheit entsprichtes, daß die Franzosen ihre eigene Greisenhaftigkeit dem Jahr-hundert andichten und von „jin-äe-sioolk" sprechen, wo sierichtig „bin cio rnos" sagen sollten.