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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Entstehung
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Cap. 14.

Zusammenfassung

(len und die von Taubstummen benutzte Fingersprache. Im Gegentheilscheint jede echte oder vererbte Bewegung.des Ausdrucks irgend einennatürlichen oder unabhängigen Ursprung gehabt zu haben. Sind aberderartige Bewegungen einmal erlangt worden, so können sie willkürlichund bewußterweise als Hiilfsmittel der gegenseitigen Mittheilung an-gewendet werden. Selbst kleine Kinder finden es in einem sehr frühenAlter heraus, wenn sie sorgfältig gewartet werden, daß ihre Schrei-anfälle ihnen Erleichterung herbeiführen, und üben dann das Schreienbald willkürlich aus. Wir können häufig sehen, wie Jemand unwill-kürlich seine Augenbrauen erhebt, um Überraschung auszudrücken,oder lächelt , um vermeintliche Befriedigung und Genugthuung aus-zudrücken. Häufig wünscht Jemand gewisse Geberden auffällig oderdemonstrativ zu machen; dann hebt er seine ausgestreckten Arme mitweit von einander gespreizten Fingern über seinen Kopf, um Erstaunenzu zeigen, oder zieht seine Schultern bis an die Ohren in die Höhe,um zu zeigen, daß er irgend etwas nicht thun kann oder nicht thunwill. Die Neigung zu derartigen Bewegungen wird dadurch verstärktoder erhöht werden, daß dieselben in der angegebenen Weise will-kürlich und wiederholt ausgeführt werden ; auch können die Wirkungenvererbt werden.

Es ist vielleicht einer Betrachtung werth, oh sich nicht gewisseBewegungen, welche anfänglich nur von einem oder von wenigen In-dividuen dazu benutzt wurden, einen gewissen Seelenzustand auszu-drücken, zuweilen auf andere Individuen verbreitet haben' und schließ-lich durch die Gewalt der bewußten wie der unbewußten Nachahmungganz allgemein geworden sind. Daß beim Menschen eine starke Nei-gung zur Nachahmung besteht, unabhängig von dem bewußten Willen,ist sicher. Dies zeigt sich in der außerordentlichsten Art und Weise-bei gewissen Gehirnkrankheiten, besonders beim Beginne der entzünd-lichen Gehirnerweichung, und ist dasEcho-Symptom genannt worden.Die in dieser Art afficirten Patienten ahmen ohne jedes Verständnisjede ihnen vorgemachte absurde Gebercle und jedes Wort nach, wel-ches in ihrer Nähe, selbst in einer fremden Sprache geäußert, wird hWas die Thiere betrifft, so haben der Schakal und der Wolf in derGefangenschaft das Bellen des Hundes nachahmen gelernt. Auf welcheWeise das Bellen des Hundes zuerst gelernt worden ist, welches ver-schiedene Gemüthserregungen und Begierden auszudrücken dient und

1 s. die interessanten von Dr. Bateman mitgetheilten Thatsachen.überAphasie, 1870, p. 110.