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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Entstehung
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Zusammenfassung

Cap. 14.

um die Augen sich zusammenzuziehen, sobald auch nur unbedeutendeNotli gefühlt wird. Von diesen Muskeln sind die Pyramidenmuskelnder Nase weniger unter der Controle des Willens als die anderen undihre Zusammenziehung kann nur durch die der mittleren Bündel desStirnmuskels gehemmt werden; diese letzteren Bündel ziehen die in-neren Enden der Augenbrauen in die Höhe und furchen die Stirn ineiner eigenthümlichen Weise, welche wir augenblicklich als denAusdruck des Kummers oder der Sorge wiedererkennen. Unbedeu-tende Bewegungen, wie die eben beschriebenen oder das kaumwahrnehmbare Herabziehen der Mundwinkel, sind die letzten Über-bleibsel oder Rudimente scharf ausgesprochener und verständlicher Be-wegungen. Sie sind uns mit Hinsicht auf den Ausdruck ebenso be-deutungsvoll, wie es die gewöhnlichen Rudimente für den Naturfor-scher bei der Classification und Genealogie organischer Wesen sind.

Daß die hauptsächlichsten ausdruckgebenden Handlungen, welcheder Mensch und die niederen Thiere zeigen, jetzt angeboren oder ange-erbt sind, d. h. daß sie nicht von dem Individuum gelernt wordensind, wird von Jedermann zugegeben. .Ein Erlernen oder Nach-ahmen hat mit mehreren derselben so wenig zu thun, daß sie vonden frühesten Tagen der Kindheit an durch das ganze Leben hindurchvollständig außer dem Bereiche der Controle liegen: so z. B. die Er-schlaffung der Arterien in der Haut und die erhöhte Herzthätigkeitbeim Zorn. Wir können Kinder, nur zwei oder drei Jahre alt undselbst blindgeborene, vor Scham erröthen sehen; und die nackte Kopf-haut kleiner Kinder wird in der Leidenschaft rotli. Kinder schreienvor Schmerz unmittelbar nach der Geburt und dann nehmen ihre Ge-sichtszüge sämmtlich dieselbe Form an, wie während späterer Jahre.Schon diese Thatsachen allein reichen hin, um zu zeigen, daß vieleunserer bedeutungsvollsten Ausdrucksweisen nicht gelernt worden sind;es ist indessen merkwürdig, daß einige derselben, welche sicherlichangeboren sind, Übung beim Individuum erfordern, ehe sie in einervollständigen und vollkommenen Art und Weise ausgeführt werden:so z. B. das Weinen und das Lachen. Die Erblichkeit der meistenunserer ausdruckgebenden Handlungen erklärt die Thatsache, daßBlindgeborene, wie ich von Mr. R. IJ. Blaik höre, dieselben ebensogut zeigen, wie die mit dem Augenlicht begabten Kinder. Wirkönnen hieraus auch die Thatsache verstehen, daß sowohl die jungenals die alten Individuen weit von einander verschiedener Bassen,sowohl beim Menschen als bei Thieren, denselben Seelenzustand durchdieselben Bewegungen ausdrücken.