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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
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Ausdruck des Erstaunens.

Cap. 12.

Erstaunen geräth,ihre Arme ausbreitet und ihre Hände mit aus-gestreckten Fingern nach oben wendet 11 ; auch ist es in Anbetrachtdessen, daß das Gefühl der Überraschung allgemein nur ein schnellvorübergehendes ist, nicht wahrscheinlich, daß sie diese Geberdedurch ihren scharfen Gefühlssinn erlernt haben sollte.

Huschke beschreibt 12 eine von der eben geschilderten etwasverschiedene, aber damit verwandte Geberde, welche, wie er sagt,Personen darbieten, wenn sie erstaunt werden. Sie halten sich auf-recht, die Gesichtszüge wie vorhin beschrieben, aber die geradegehaltenen Arme werden nach hinten ausgebreitet, wobei die aus-gestreckten Finger von einander gespreizt werden. Ich selbst habediese Geberde niemals gesehen; doch ist Huschke wahrscheinlichcorrect; denn einer meiner Freunde frag einen Andern, wie er wohlgroßes Erstaunen ausdrücken würde, und sofort warf er sich in dieangegebene Stellung.

Wie ich glaube, sind diese Geberden nach dem Grundsätze desGegensatzes erklärbar. Wir haben gesehen, daß, wenn Jemand in-dignirt ist, er seinen Kopf aufrecht hält, seine Schultern festrückt,die Ellenbogen nach außen dreht, häufig seine Fäuste ballt und seinenMund schließt, während die Stellung eines hülflosen Menschen injedem einzelnen dieser Details gerade das Umgekehrte ist. EinMensch nun im gewöhnlichen ruhigen Seelenzustande, der nichts thutund an nichts Besonderes denkt, läßt gewöhnlich seine beiden Armeschlaff an der Seite herabhängen, wobei die Hände etwas gebogenund die Finger nahe aneinander gehalten werden. Das plötzlicheErheben der Arme, entweder der ganzen Arme oder der Vorderarme,das flache Offnen der Hände und das Auseinanderspreizen der Fin-ger, oder auch das Geradehalten der Arme und das Ausstreckenderselben nach hinten mit gespreizten Fingern, sind daher Be-wegungen, welche in vollkommenem Gegensätze zu der Haltungstehen, welche unter einem indifferenten Seelenzustande eingenommenwird; sie werden in Folge hiervon von einem erstaunten Menschenunbewußt ausgeführt. Häufig ist auch der Wunsch vorhanden, Über-raschung in einer auffallenden Weise an den Tag zu legen, und die

11 Lieber, On tlie Vocal Sounds etc., a. a. 0. p. 7.

12 Huschke, Mimices et Physiognomices Fragment, physiol. 1821, p. 18.Grratiolet (De la Physion. p. 255) gibt die Abbildung eines Menschen in dieserStellung, welche indessen nur Furcht in Verbindung mit Erstaunen auszudriickenscheint. Auch Le Brun (Lavater, Vol. IX, p. 299) erwähnt das Öffnen derHände bei einem erstaunten Menschen.