Cap. 11.
Verachtung. Abscheu.
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„Daumennagel und Zeigefinger weggeschnippt wird, gewöhnliche und„ganz; gut verstandene Geberden der Taubstummen sind, welche„irgend etwas Geringes, Unbedeutendes, Verächtliches bezeichnen,„so scheint es, als wenn wir hier eine vollkommen natürliche Hand-lungsweise übertrieben und conventioneil in einer solchen Weise„mit einem gewissen Sinne versehen hätten, daß ihre ursprüngliche„Bedeutung ganz verloren gegangen ist. Eine merkwürdige Erwähnung„dieser Geberde findet sich bei Strabo.“ Mr. Washington Matthewstheilt mir mit, daß bei den Dakota-Indianern von Nord-AmericaVerachtung nicht bloß durch Bewegungen des Gesichts so wie dieoben beschriebenen ausgedrückt wird, sondern auch „conventioneil„dadurch, daß die Hand geschlossen und in die Nähe der Brust„gehalten wird, daß dann der Vorderarm plötzlich ausgestreckt, die„Hand geöffnet und die Finger von einander gespreizt werden. Wenn„die Person, auf deren Kosten das Zeichen gemacht wird, anwesend„ist, so wird die Hand nach ihr hin und der Kopf zuweilen von ihr„weggcwendet.“ Dieses plötzliche Ausstrecken und Öffnen der Handdeutet vielleicht das Fallenlassen oder Wegwerfen eines werthlosenGegenstandes an.
Der Ausdruck „Abscheu oder Widerwillen“ in seiner einfachstenBedeutung bezeichnet etwas dem Geschmacke Widerwärtiges. Esist merkwürdig, wie leicht diese Empfindung durch irgend etwasin der äußern Erscheinung, in dem Gerüche oder der Natur unsererNahrung Ungewöhnliches erregt wird. Im Feuerlande berührte einEingeborner etwas kaltes präservirtes Fleisch, welches ich in unseremBivouak aß, mit seinen Fingern und ließ deutlich den äußerstenAbscheu über dessen Weichheit erkennen, während ich auf derandern Seite den äußersten Abscheu davor empfand, daß meineSpeise von einem nackten Wilden berührt worden sei, wenn schonseine Hände nicht schmutzig zu sein schienen. Etwas Suppe in denBart eines Menschen geschmiert, erscheint widerlich, trotzdem daßnatürlich nichts Widerliches in der Suppe selbst ist. Ich vermutlie,daß dies aus der sehr starken Association der beiden Eindrücke inunserer Seele, nämlich des Anblicks der Nahrung, wie sie auchsonst beschaffen sein mag, und der Idee des Essens derselben, folgt.
Da die Empfindung des Abscheus ursprünglich in Verbindungmit dem Acte des Essens oder Schmeckens entsteht, so ist es natür-lich, daß die Ausdrucksformen für denselben hauptsächlich in Be-wegungen rund um den Mund bestehen. Da aber Abscheu gleich-zeitig auch Ärger verursacht, so wird er gewöhnlich von einem Stirn-Dabwijt, Ausdruck. 4. Auflage. (VII.) 15