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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
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Cap. 10.

Zorn und IVuth.

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x. B. ein Mensch wissen, daß sein Leben in der äußersten Gefahr.schwebt und kann heftig wünschen, es zu retten, und doch, wie esLudwig XVI. that, als er von einer wüthenden Volksmenge umgebenwurde, sagen:Fürchte ich mich? Fühlt meinen Puls! So kann.auch ein Mensch einen andern intensiv hassen. So lange aber seinKörperbau noch nicht afficirt ist, kann man nicht von ihm sagen,daß er wüthend sei.

Wuth. Ich habe bereits Gelegenheit gehabt, von dieser Ge-müthsbewegung im dritten Ca.pitel zu handeln, als ich den directenEinfluß des gereizten Sensoriums auf den Körper in Verbindung mitden Wirkungen gewohnheitsgemäß associirter Handlungen erörterte.Wuth stellt sich in den verschiedenartigsten Weisen dar. Immer istdas Herz und die Circulation afficirt; das Gesicht wird roth oder pur-purn, wobei die Venen an der Stirn und am Halse ausgedehnt werden.Das Erröthen der Haut ist bei den kupferfarbigen Indianern von Süd-America 2 und selbst, wie man sagt, an den weißen Narben, denBückständen alter Wunden, bei Negern beobachtet worden 3 . AuchAffen werden roth aus Leidenschaft. Bei einem meiner eignen Kinderbeobachtete ich, als es noch nicht vier Monate alt war, wiederholt,daß das erste Symptom eines sich nähernden leidenschaftlichen Aus-bruchs das Einströmen des Blutes in seine nackte Kopfhaut war. Aufder andern Seite wird die Thätigkeit des Herzens zuweilen durch.große Wuth so stark gehemmt, daß das Gesicht bleich oder lividwird 4 , und nicht wenige an einer Herzkrankheit leidende Menschensind unter dieser mächtigen Gemüthserregung todt niedergefallen.

Das Athemholen ist gleicherweise afficirt. Die Brust hebt sichschwer und die erweiterten Nasenlöcher zittern 5 . So schreibt Ten-

2 Rengger, Naturgeschichte der Säugethiere von Paraguay, 1830, S. 3.

3 Sir Ch. Bell, Anatomy of Expression, p. 96. Andererseits sprichtDr. Bürgess (Pliysiology of Blushing, 1839, p. 31) von dem Rothwerden einerNarhe hei einer Negerin, als sei dies der Natur nach ein Erröthen gewesen.

4 Moreau und Gratiolet haben die Farben des Gesichts unter dem Ein-flüsse intensiver Leidenschaft erörtert; s. die Ausgabe von 1820 von Lavater,Yol. IV, p. 282 und 300, und Gratiolet, De la Physionomie, p. 345.

5 Sir Ch. Bell, Anatomy of Expression, p. 94, 107, hat diesen Gegenstandausführlich erörtert. Moreau bemerkt (in der Ausgabe von 1820 von LavatersPhysiognomik, Vol. IV, p. 237), und eitirt Portal zur Bestätigung, daß asthma-tische Patienten in Folge der gewohnheitsgemäßen Zusammenziehung der dieNasenflügel erhebenden Muskeln permanent erweiterte Nasenlöcher erhalten. DieErklärung, welche Dr. Piderit (Mimik und Physiognomik, S. 82) von der Er-

Darwin, Ausdruck. 4. Auflage. (VII.) 14