Druckschrift 
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

180

Ausdruck der Freude.

Cap. 8.

Art und Weise einsehen, woher es kommt, daß das Ausstößen vonLauten irgend welcher Art naturgemäß mit einem vergnüglichenSeelenzustande associirt wird: denn durch einen großen Theil desThierreichs hindurch werden vocale oder instrumentale Laute entwederals ein Ruf oder als Reizmittel für das eine Geschlecht vom andernangewendet. Es werden solche auch als Ausdrucksmittel gebrauchtbeim fröhlichen Zusammenkommen der Eltern mit den Jungen undder aneinander hängenden Glieder einer und derselben socialen Ge-meinschaft. Warum aber die Laute, welche der Mensch ausstößt.,wenn er vergnügt, ist, clen eigenthümlichen wiederholten Characterdes Lachens haben, wissen wir nicht. Nichtsdestoweniger könnenwir einsehen, daß sie naturgemäß so verschieden wie möglich vondem Aufschreien oder dem Weinen im Unglück sein werden: undwie bei dem Hervorbringen des letzteren die Exspirationen verlängertund zusammenhängend sind, während die Inspirationen kurz undunterbrochen sind, so könnte man vielleicht bei den Lauten, welchevor Freude ausgestoßen werden, erwarten. daß die Exspirationenkurz und unterbrochen sind, während die Inspirationen verlängertsind; und so ist es auch der Fall.

Es ist ein gleicherweise dunkler .Punkt, warum die Mundwinkelzurückgezogen und die Oberlippe während des gewöhnlichen Lachenserhoben wird. Der Mund darf nicht bis zum äußersten Grade ge-öffnet werden; denn wenn dies während eines Paroxysmus excessivenLachens eintritt, so wird kaum irgend welcher Laut geäußert , oderer verändert seinen Ton und scheint tief aus der Kehle zu kommen.Die Respirationsmuskeln und selbst die der Gliedmaßen gerathen inderselben Zeit in rapide schwingende Bewegungen. Die Unterkinn-lade nimmt häufig an dieser Bewegung Theil und dies dürfte dazudienen, es zu verhindern, daß der Mund weit geöffnet wird. Daaber ein voller ausgiebiger Laut ausgestoßen werden soll, so mußdie Mundöffhung groß sein; und es geschieht vielleicht, um dies zuerreichen, daß die Mundwinkel zurückgezogen werden und die Ober-lippe erhoben wird. Obgleich wir kaum weder die Form des Mundeswährend des Lachens, welche zur Faltenbildung unterhalb der Augenführt, noch den eigenthümlichen wiederholten Laut des Lachens,noch das Zittern der Kinnlade erklären können, so können wir nichts-destoweniger schließen, daß alle diese Wirkungen Folgen einer ge-meinsamen Ursache sind. Denn sie sind alle für einen vergnügtenSeelenzustand bei verschiedenen Arten von Affen characteristischund ausdrucksvoll.