Cap. 7.
Herabziehen der Mundwinkel.
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Anscheine nach aus demselben allgemeinen Principe wie die der schrä-gen Stellung der Augenbrauen, Dr. Duchenne theilt mir mit, daßer aus seinen nun während vieler Jahre fortgesetzten Beobachtungenzu dem Schlüsse kommt, daß dies einer der Gesichtsmuskeln ist,welcher am wenigsten unter der Controle des Willens steht. DieseThatsaclie dürfte in der That schon aus dem gefolgert werden, wassoeben über Kinder gesagt wurde, die zweifelhaft zu weinen anfangenoder es versuchen, mit Weinen aufzuhören; denn dann beherrschensie allgemein sännntliche andere Gesichtsmuskeln wirksamer als dieNiederdrücker der Mundwinkel. Zwei ausgezeichnete Beobachter, welchesich keine Theorie über die Sache gemacht hatten, einer derselbenein Arzt, beobachtete sorgfältig für mich einige ältere Kinder undFrauen, wie dieselben unter etwas entgegenwirkenden Kämpfen sichallmählich dem Punkte näherten, in Thränen auszubrechen; beideBeobachter waren darüber sicher, daß die Niederzieher-Muskeln eherin Thätigkeit zu treten begannen, als irgend einer der anderen Muskeln.Da nun die Niederzieher wiederholt viele Generationen hindurch wäh-rend der frühen Kindheit in heftige Thätigkeit versetzt worden sind,so wird Nervenkraft nach dem Princip lange associirter Gewohnheitstreben, nach denselben Muskeln ebenso wie nach den anderen Gesichts-muskeln hinzuströmen, sobald im spätem Leben selbst ein leichtesGefühl der Trübsal empfunden wird. Da aber die Niederzieher etwasweniger unter der Controle des Willens stehen als die meisten anderenMuskeln, so können wir erwarten, daß sie sich häufig in leichtemGrade zusammenziehen werden, während die anderen unthätig bleiben.Es ist merkwürdig, eine wie geringe Herabdrückung der Mundwinkeldem Gesicht einen Ausdruck von Gedrücktsein oder Niedergeschlagen-heit gibt, so daß eine äußerst unbedeutende Zusammenziehung dieserMuskeln hinreichend ist, diesen Seelenzustand zu verrathen.
Ich will hier eine unbedeutende Beobachtung erwähnen, da siedazu dient, den vorliegenden Gegenstand zusammen zu fassen. Einealte Dame mit gemüthlichem, aber in Gedanken vertieftem Ausdrucksaß mir in einem Eisenbahnwagen nahezu gegenüber. Während ichnach ihr hinsah, bemerkte ich, daß ihre Depressores anguli orissehr unbedeutend, aber doch entschieden zusammen gezogen wurden;da aber ihr Gesicht so glatt und mild wie immer blieb, so dachteich nur darüber nach, wie bedeutungslos diese Zusammenziehung warund wie leicht man getäuscht werden könnte. Der Gedanke warkaum in mir aufgestiegen, als ich sah, wie sich die Augen der Dameplötzlich so mit Thränen füllten, daß sie beinahe Überflossen; dabei