Jlittel des Ausdrucks bei Thiercn.
Cap. 4,
SO
die Zusammenziehung der nicht gestreiften und unwillkürlichen Ar-rectores pili mit der der verschiedenen willkürlichen Muskeln fürdenselben speciellen Zweck coordinirt worden sein? Wenn wir an-nehmen dürften, daß die Arrectoren ursprünglich willkürliche Muskelngewesen wären, und seitdem ihre Querstreifen verloren hätten undunwillkürlich geworden wären, so würde der Fall verhältnismäßigeinfach sein. Mir ist indessen nicht bekannt, daß irgend welcheBelege zu Gunsten dieser Ansicht sprächen, obschon der umgekehrteÜbergang keine große Schwierigkeit dargeboten haben würde, da diewillkürlichen Muskeln in den Embryonen der höheren Thiere und inden Larven mancher Crustaceen in einem ungestreiften Zustande sichbefinden. Überdies findet sich in den tieferen Hautschichten erwachsenerVögel das Muskelnetz nach Leydig 20 in einem Ubergangszustande,da die Fasern nur Andeutungen einer Querstreifung darbieten.
Es scheint eine andere Erklärung möglich zu sein. Wir könnenannehmen, daß ursprünglich die Arrectores pili unbedeutend ineiner directen Art und Weise unter der Einwirkung der Wuth unddes Schreckens durch eine Beizung des Nervensystems beeinflußtworden sind, wie es unzweifelhaft bei unserer sogenannten „Gänse-haut“ vor einem Fieberanfall der Fall ist. Thiere sind wiederholtdurch, viele Generationen hindurch von Wuth und Schrecken erregt■worden; in Folge hiervon werden die directen Wirkungen des ge-reizten Nervensystems auf die Hautanhänge beinahe sicher durchGewohnheit und die Tendenz der Nervenkraft, leicht gewohnten Ca-nälen entlang auszuströmen, verstärkt worden sein. Wir werdendiese Ansicht von der Kraft der Gewohnheit in einem spätem Ca-pitel auffallend bestätigt sehen, wo gezeigt werden wird, daß dasHaar der Wahnsinnigen in Folge der wiederholten Anfälle von Wuthund Schrecken in einer außerordentlichen Art und Weise nfficirt wird.Sobald nun bei Thieren die Fähigkeit des Aufrichtens hierdurch ge-kräftigt oder gesteigert worden war, so werden sie die Haare oderFedern bei rivalisirenden oder in Wuth gerathenen Männchen sicherhäufig aufgerichtet und den Umfang ihrer Körper vergrößert gesehenhaben, ln diesem Falle scheint es möglich zu sein, daß hei ihnender Wunsch entstanden ist, sich ihren Feinden gegenüber größerund furchtbarer aussehen zu machen dadurch, daß sie willkürlicheine drohende Stellung annahmen und rauhes Geschrei ausstießen;daß ferner derartige Stellungen und Laute nach längerer Zeit durch
20 Lehrbuch der Histologie u. s. w. 1857, S. 82.