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Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.
Cap. 3.
Gemüthsbe wegungen und Empfindungen sind oft als erregendeund deprimirende classificirt worden; wenn alle Organe des Körpersund der Seele — diejenigen der willkürlichen und unwillkürlichenBewegung, der Wahrnehmung, Empfindung, des Denkens u. s. w. —ihre Functionen energischer und schneller als gewöhnlich ansführen,so kann man sagen, daß ein Mensch oder ein Thier erregt, und imentgegengesetzten Zustande, daß er niedergeschlagen sei. Zorn undFreude sind vom Anfang an erregende Gemüthsbewegungen und sieführen naturgemäß, besonders der erstere, zu energischen Bewegun-gen, welche auf das Herz und dieses wieder auf das Gehirn zurück-wirken. Ein Arzt machte einmal gegen mich die Bemerkung, umdie aufregende Natur des Zornes zu beweisen, daß, wenn man imäußersten Grade abgespannt ist, man sich zuweilen eingebildete Be-leidigungen erfindet und sich in Leidenschaft bringt und zwar ganzunbewußt, nur um sich selbst wieder zu kräftigen. Und seitdem ichdiese Bemerkung gehört habe, habe ich gelegentlich ihre vollständigeWahrheit bestätigt gefunden.
Mehrere andere Seelenzustände scheinen anfangs aufregend zusein, werden aber bald bis zu einem äußersten Grade niederschlagend.W enn eine Mutter plötzlich ihr Kind verliert, so ist sie zuweilen vorSchmerz wie wahnsinnig und muß als sich in einem aufgeregtenZustande befindend betrachtet werden. Sie läuft wild umher, zer-zaust sich das Haar oder die Kleider und ringt ihre Plände. Dieseletztere Handlung ist vielleicht Folge des Prihcips des Gegensatzesund verräth ein innerliches Gefühl der Hülflosigkeit, daß nichts ge-t.han werden kann. Die anderen wilden und heftigen Bewegungenkönnen zum Theil durch die Erleichterung erklärt werden, welchejede Anstrengung der Muskeln gewährt, und zum Theil durch dennicht in bestimmte Bahnen geleiteten Überfluß von Nervenkraft ausdem gereizten Sensorium. Aber beim plötzlichen Verluste einer ge-liebten Person ist einer der ersten und gewöhnlichsten Gedanken,welcher eintritt, der, daß irgend etwas mehr noch hätte geschehenkönnen, um den Verlorenen zu retten. Ein ausgezeichneter Beob-achter 12 spricht bei der Beschreibung des Benehmens eines Mädchensbeim plötzlichen Tode ihres Vaters: „sie gieng um das Haus herum,„ihre Hände ringend wie ein geisteskrankes Geschöpf und rief aus :„es war meine Schuld; ich hätte ihn niemals verlassen sollen; wenn„ich nur bei ihm sitzen geblieben wäre!“ u. s. w. Wenn solche
12 Mrs. Oliphant in ihrem Roman „Miss Majoribanks“, p. 3G2.