Cap. 2.
Princip des Gegensatzes.
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lächerlich, weil die Ursache so unbedeutend war. Jeder einzelneZug in seiner Stellung war in vollständigem Gegensätze zu seinerfrüheren freudigen, aber doch würdevollen Haltung; es kann dies,wie mir scheint, auf keine andere Weise erklärt werden, als durchdas Princip des Gegensatzes. Wäre nicht die Veränderung so augen-blicklich gewesen, so würde ich dieselbe dem Umstande zugeschriebenhaben, daß sein niedergeschlagener geistiger Zustand, wie beimMenschen, das Nerven- und Circulationssystem und dadurch noth-wendigerweise den Tonus seines ganzen Muskelsystems afficirte, undzum Theil mag dies auch wirklich die Ursache gewesen sein.
Wir wollen nun untersuchen, auf welche Weise das Princip desGegensatzes beim Ausdrucke entstanden ist. Bei gesellig lebendenThieren ist das Vermögen gegenseitiger Mittheilung zwischen denGliedern einer und derselben Gemeinde, — und bei anderen Artenzwischen den verschiedenen Geschlechtern ebenso wie zwischen denJungen und Alten —, von der größten Bedeutung für sie. DieseMittheilungen werden meist mittelst der Stimme bewirkt; es ist abersicher, daß Geberden und ausdrucksvolle Stellungen in einem gewissenGrade gegenseitig verstanden werden. Der Mensch gebraucht nichtbloß inarticulirte Ausrufe, Geberden und ausdrucksvolle Mienen, son-dern hat noch die articulirte Sprache erfunden, wenn freilich das Wort„erfunden“ auf einen Proceß angewendet werden kann, der sichdurch zahllose halb unbewußt gethane Abstufungen vollzogen hat. EinJeder, welcher Affen beobachtet hat, wird nicht daran zweifeln, daßsie vollkommen die Geberden und den Ausdruck unter einander und,wie Renggkr bemerkt, auch die des Menschen verstehen 1 . Wenn einThier im Begriffe ist, ein anderes anzugreifen, oder auch, wenn essich vor einem andern fürchtet, macht es sich häufig in seiner äußernErscheinung schreckenerregend, es richtet das Haar auf, vermehrtdadurch scheinbar den Umfang seines Körpers, zeigt die Zähne, oderschwingt seine Hörner, oder stößt wtithende Laute aus.
Da das Vermögen der gegenseitigen Mittheilung sicherlich fürviele Thiere von großem Nutzen ist, so hat die Vermuthung a priorinichts Unwahrscheinliches in sich, daß Geberden, welche offenbarentgegengesetzter Natur sind, verglichen mit denen, durch welchegewisse Gefühle bereits ausgedrückt werden, zuerst willkürlich unterdem Einflüsse eines entgegengesetzten Gefühlszustandes angewendet
1 Naturgeschichte der Säugethiere von Paraguay. 1830. S. 55.
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