402 Buch VlI. Dreizehntes Hauptstück.
veranlassen. Jedenfalls erhielt Friedrich auch ungegründctcNachrichten, welche die ihm drohende Gefahr noch vergrößer-ten. Friedrich blieb selbst diese Absicht des Grafen Kaunitznicht unbekannt. Allein dennoch entschied er sich zum An-griffe. Erstens entsprach cs seiner Natur durchaus nicht,sich bei gelindem Feuer nach und nach aufreibcn zu lassen').Das würde durch fortwährendes Beharren im Kriegszuständenothwendig geschehen sein, während Oesterreich das bei seinenHülfsquellcn weit länger aushaltcn konnte, als Preussen. Inwenig Jahren würde Preussen sich selbst dadurch aufgezehrtund völlig geschwächt haben. Zweitens war er noch immernicht überzeugt, daß Frankreich sclbstthätig für Oesterreich ge-gen ihn auftreten würde; drittens, und das war für ihn ent-scheidend, stärkte jede Zögerung seiner Feinde Macht undschwächte die seinige. Der sächsische Gesandte Flemming inWien hatte, wie wir sahen, dem Grafen Brühl zu Rüstun-gen gerathen- Friedrich hatte Brühl zu schwer und öffentlichbeleidigt, um ihn nicht mit Recht für seinen heftigsten Feindzu halten. Er hielt den sächsischen Hof für Theilnehmer anallen feindseligen Entwürfen gegen Preussen und war überdessen Gesinnung nicht im Jrrthume. Nun war das sächsi-sche Heer damals 18,000 Mann stark. Friedrich glaubte, daßcs während des Winters auf 40,000 Mann gebracht werde»sollte; zögerte also der König, so that er das nur im In-teresse seiner Feinde, welche ihre Rüstungen unterdessen vollen-deten, während er mit feinem Heer bereit war, den Krieg zueröffnen^). Um indessen den Vorwurf, daß er der Angreiferoder Urheber des Krieges sei^), möglichst von sich abzulenkenund um einen letzten, wenn auch, wie er glaubte, vergeblichenVersuch zu machen, den Frieden zu erhalten, musste Kling-gräff die Kaiserin Maria Theresia bitten, eine deutlichere
1) Flcmming an Brühl 28. Zuli 1756. lVlämoire ruisonnä Beil.XXVIII. c>ue le Hoi äs krusse so trouve psr Is, oläiZe pour souteimses Armeniens — c>ui surpsssent ses lorces, ou <le so consumer »xetit keu, vu äs so loisser aller a uns resolution previvitäe, ctc'est precisement lä, oü il me sembls c^uon I'attsnä.
2) Oeuvres 1. IV. p. 37.
3) Raumer, S. 370.