Druckschrift 
4 (1851) Von 1739 bis 1756
Entstehung
Seite
392
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392 Buch VH. Dreizehntes Hauptstück.

nichts fehlen, um sein Ziel zu erreichen, seine Anträge wur-den mit geneigtem Ohr gehört, auf seine Entwürfe nun mehrals früher eingegangcn, doch noch nicht ganz.

Die Vorschläge Oesterreichs gingen gleich anfangs ganzunumwunden auf eine völlige Veränderung des bisherigenStaatensystems. Friedrichs II. Macht sollte völlig gebrochen,und ein großer Theil seiner Staaten an Oesterreich, Sachsenund Schweden vcrthcilt, die pölnische Krone aber im HauseSachsen erblich gemacht werden. Dafür wollte sich Oester-reich völlig von England trennen, dem spanischen Don Phi'lipp für Parma und Piacenza den grössten Theil der öster-reichischen Niederlande, an Frankreich aber die festen See-plätze und Häfen Nieuport und Ostende abtrctcn. Es wurdevorgcstellt, Frankreich würde dadurch den Vortheil haben, imFrieden mit Oesterreich zu bleiben, durch den Besitz jenerSeeplätze und dann des immer von ihm abhängigen Infan-tcn in Belgien die Generalstaaten abhalten können, sich fürEngland zu erklären, alle Kräfte auf den Seekrieg gegenEngland zu verwenden. Durch einen Bund mit Rußlandwürde Polen geschützt, durch Bündnisse mit Dänemark undSchweden Preusscn völlig isolirt und dann leicht unterdrücktwerden können. Hatte Alles das für Einige mancherlei Lo-ckendes, so erhoben sich doch dagegen die Anhänger der altenfranzösischen antiösterrcichischen Politik mit wichtigen Grün-den. Sie wollten ihre alten Verbündeten, Preusscn und diekleinen deutschen Fürsten, Polen und die Pforte nicht zuGunsten Rußlands und Oesterreichs aufgcben, und meintenzugleich, es würden dann alle Protestanten zu England über-gehen. Der Kampf beider Parteien war sehr lebhaft im Ca-binct. Weil nun der König und die Frau von Pompadourfür Oesterreich waren, dagegen Bernis für das alte System,so schlug dieser einen Bund mit Oesterreich unter gegenseiti-ger Gewährleistung aller Staaten in Europa und auch Preus-sens, nur mit Ausnahme wegen des bereits ausgebrochcnenKriegs, mit alleinigem Ausschlüsse Englands vor. MariaTheresia wollte anfänglich durchaus nicht auf eine Gewährlei-stung Preußens eingehen, doch um Frankreich von Friedrich II.zu trennen, gab sie endlich in der Hoffnung nach, Friedrich