Nymphenburger Vertrag. 137
konnte. Und wie musste sich dieses nicht durch den erstenSieg gehoben fühlen und Selbstvertrauen gewinnen.
Maria Theresia raffte erbittert alle Streitkräste zusam-men, um die Scharte auszuwetzen, während ihr gutartigerGemahl den geschlagenen Neipperg tröstete. Der König vonEngland, welcher Truppen im Hannoverschen, der Kurfürstvon Sachsen, welcher Truppen bei Eilenburg und Torgauzusammengezogen hatte'), betrachteten das Heer Leopoldsvon Dessau in der Mark zwischen ihnen nun mit wirklicherBesorgniß. Die übrigen Mächte, welche gegen Oesterreichbereits Absichten gehabt und Entwürfe gemacht, aber haupt-sächlich den ersten Erfolg von Friedrichs Unternehmen abge-wartet hatten, erhielten durch den Sieg bei Mollwitz denersten Anstoß, sich in lebhaftere Bewegung zu setzen.
Spanien war schon nicht mehr zufrieden, etwa ein kleinesKönigreich in Ober-Italien für den zweiten Sohn der Kö-nigin zu erhalten, es wollte wenigstens Wälsch-Tyrol, wohlauch Kärnthen haben. In Frankreich gewann die kriegslustigeund unternehmende Partei der Belle-Zsle mit ihren Entwirr-fen zur entscheidenden Schwächung der österreichischen Mo-narchie, über den friedliebenden und gewaltsamen Entschei-dungen abgeneigten Fleury völlig die Oberhand.
Der schwache und verschwenderische Kurfürst Karl Albertvon Baiern, war ohne weitere Hülfe ganz in den Händender Franzosen. Erst nach der Schlacht bei Mollwitz aberdachten diese ernstlich daran, ihn nicht nur mit Geld, wel-ches er verschwendete, sondern auch mit Truppen zu unter-stützen. Jetzt kam der Marschall Belle-Jsle nach München 1741und verabredete die einzelnen Punkte des nachher in Nymphen- 22 . Mai.bürg förmlich abgeschlossenen Vertrages, dessen öffentlicheArtikel — wie nicht selten — das Gegentheil der geheimenenthielten, welche bald zum Lheile, doch selbst bis jetzt nichtvollständig bekannt wurden. Frankreich versprach, des Kur-fürsten von Baiern Ansprüche auf die österreichische Erbschaftmit ganzer Macht, wenigstens mit 60,000 Mann und durchZahlung von drei bis vier Millionen Livres, ebenso dessen
l) Ohlenschlager ll. S. 512.