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Buch VII. Erstes Hauptstück.
der Urheber der Welt beim Schaffen einen Zweck.gehabt haben,indem alle Ereignisse zusammcnwirken, daß also alle Menschennach den Absichten des Schöpfers handeln, indem sie denunveränderlichen Gesetzen derselben gehorchen, auch ohne siezu kennen. Ausserdem würde die Welt, seitdem sie mitschwachen Sterblichen bevölkert worden, sich nach den Launenvon Menschen regieren, Gott ein unthätigcr Zuschauer, dieMacht des Schöpfers aber unnütz sein. Es ist natürlicher,daß Gott Alles thut und daß die Menschen Werkzeuge seinesWillens sind, als daß man sich Gott vorstelle, der die Weltgeschaffen und mit Menschen bevölkert hat, um dann mituntcrgcschlagencn Armen seinen Willen und seine Macht denGrillen des menschlichen Geistes zu unterwerfen."
Indem er jedoch in seinem Studium der Philosophieimmer tiefer cindrang, mußte er bald bemerken, daß es ihmginge wie dem, welcher in den Mittelpunkt des Erdballs ein-dringen will und doch nur bis wenige Fuß unter dessenOberfläche gelangt. „Ich bin am Ende mit meiner Meta-physik," schrieb er schon im Juli 1738 an Suhm. „Jederstrengt sich an, die geheime Triebfeder der Natur zu entdecken,und können nicht Alle irren? Ich kenne so viele Systemewie Philosophen, jedes hat Grade von Wahrscheinlichkeit unddoch widersprechen sie einander. Nun rühme man noch diewundervollen Anstrengungen der menschlichen Vernunft unddie Tiefe unserer ausgcbreitetcn Kenntnisse. Wir wissen wirk-lich nur wenig, aber unser Geist ist stolz genug, Alles um-fassen zu wollen. Die Metaphysik schien mir ehemals dieWissenschaft, wo große Entdeckungen zu machen wären, jetzterscheint sie mir nur wie ein unermeßliches, durch Schiffbrücheberüchtigtes Meer. Sie gleicht einem Charlatan, versprichtviel und hält nichts, wie die Erfahrung zeigt. Wenn mandie Wissenschaften tüchtig studirt und den Geist der Menschenbetrachtet hat, neigt man sich ganz natürlich zum Zweifel."„Scheint es Ihnen nicht," schrieb er wenige Monate späteran Suhm, als er diesem seine Abhandlung über die Schuld-losigkeit der Jrrthümer des Geistes ') schickte, „daß die Physik
I) vissertstion sur I'innocence des erreurs äs I'esprit v. I. 1738.Oeuvres 17 VIII. x. 33 —16.