Druckschrift 
3 (1859) Erzählungen; Robert Guiskard; Gedichte, Epigramme etc.; Anhang
Entstehung
Seite
348
Einzelbild herunterladen
 

348

An Wilhclmine.

Des Künstlers Meißel übt sich an Krystallen,

Die schon von selbst mit Farben spielen, nicht,

Er übt sich an dein rothen Kiesel, denDes Knaben Fußtritt nicht verschonte, wühletSich durch die Rinde, lockt den Fenerfunkcn,

Der in des Kiesels kaltem Busen schluuimert,

In tausend Blitzen aus dem Stein hervorUnd schmückt mit ihm der Herrscher Diadem.

Nicht zu dem Schiffer schwimmet aus der FerneDes Indiers goldner Ueberfluß heran,

Er muß auf ungewissen Brettern sichDem trügerischen Meere anvcrtrann.

Er muß der Sandbank hohe Fläche meiden,

Der Klippe spitzgeschliffnen Dolch umgehn,

Sich mühsam durch der Meere Strudel winden,

Mit Stürmen kämpfen, sich mit Wogen schlagen,Bis ihn der Küste sichrer Port empfängt.

Auch zu der Liebe schwimmt nicht stets das Glück,Wie zu dem Kaufmann nicht der Indus schwimmt.Sie muß sich ruhig, in des Lebens Schiff,

Des Schicksals wilden Meeren anvertrann;

ES an der Hoffnung Steuerruder lenken,

Und stürmt cs, vor der Treue Anker gehn.

Sie muß de« Wankelmnthcs Sandbank meiden,Geschickt des Mißtran'ns spitzen Fels umgehn,

Und mit des Schicksals wilden Wogen kämpfen,

Bis in des Glückes sichern Port sie läuft.