Nachtrag zu Klcist's Leben.
Erst bei dem Abschluß dieser Sammlung erfahre ich die Existenz von zwei-undsechSzig Briefen Kleist'S an seine Schwester Ulrike im Original. Herr ProstKöderst ein, der Besitzer derselben, der sie hcrauSzugcbcn im Begriff steht,hat mir frcundlichst die genaue Durchsicht derselben gestattet. — ES freut mich,daß in meiner Auffassung des Dichters, seines Charakters und seines Lebensnichts dadurch geändert wird; nur einen Umstand habe ich falsch angegeben, dieDauer der Gefangenschaft in Joup. Kleist war am 17. Febr. 1807 auf demTransport nach Frankreich in Marburg, und schon am 2S. April schreibt er ausChalonS; die Haft in Joup hat also nur wenige Woche» gedauert. — Die Jn-gendbriefe an die Schwester sind ganz in der Art der Briefe a» Wilhclminc;der Familienname seiner Braut war v. Zengg; ihr späterer Gemahl Pro-fessor Krug, der Kantianer, der von Frankfurt a. O. erst nach Königsberg,dann nach Leipzig versetzt wurde. — Der Brief über die vermeintliche Unsicher-heit der Erkenntnißquellen ist fast wörtlich an Ulrike wiederholt; bemcrkeus-wcrth war mir die Sorgfalt, mit der Kleist auch in leidenschaftlichen Ausbrüchenseine Briefe stilistisch feilte.— lieber die Würzburg-Wiener Reise findet sicheiniges, waS aber die Sache nur noch dunkler macht; seine Phantasie scheintdabei eine große Rolle gespielt zu haben. I» allen diesen Begebenheiten hatihn Ulrike mit Aufopferung fast ihres ganzen Vermögens unterstützt. — lieberde» Bruch mit seiner Braut kein Wort, obgleich a»S dieser Zeit mehrere Briefeda sind, und obgleich die Zengg's einigemale gegrüßt werden. — Ans Wieland'sHauS scheint ihn eine Liebe zu Wieland's Tochter vertrieben zu haben, wenn