Michael Kohlhaas.
Än den Usern der Havel lebte um die Mitte des sechzehntenJahrhunderts ein Noßhändler Namens Michael Kohlhaas, Sohneines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetz,lichsten Menschen seiner Zeit. Dieser außerordentliche Mann würdebis in sein dreißigstes Jahr sür das Muster eines guten Staats-bürgers haben gelten können. Er besaß in einem Dorfe, das nochvon ihm den Namen führt, einen Meicrhof, ans welchem er sichdurch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weibschenkte, erzog er in der Furcht Gottes zur Arbeitsamkeit und Treue;nicht Einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohl-thätigkeit oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz die Welt würdesein Andenken haben segnen muffen, wenn er in einer Tugend nichtausgeschweift hätte. Das Rechtsgefühl aber machte ihn zum Räu-ber und Mörder.
Er ritt einst mit einer Koppel junger Pferde, wohlgenährt alleund glänzend, in's Ausland, und Überschlag eben, wie er den Ge-winnst, den er auf den Märkten damit zu machen hoffte, anlegcnwolle, theils nach Art guter Wirthe auf neuen Gewinnst, theils aberauch ans den Genuß der Gegenwart: als er an die Elbe kani undbei einer stattlichen Ritterburg ans sächsischem Gebiete einen Schlag-baum traf, den er sonst auf diesem Wege nicht gefunden hatte. Erhielt in einem Augenblick, da eben der Regen heftig stürmte, mit