Der Findling.
Äntonio Piachi, ein wohlhabender Güterhändler in Rom,war genöthigt in seinen Handelsgeschäften zuweilen große Reisen zumachen. Er pflegte dann gewöhnlich Elvire, seine junge Frau,unter dem Schutz ihrer Verwandten daselbst znrückzulasscn. Einedieser Reisen führte ihn mit seinem Sohn Paolo, einem eilfjährigenKnaben, den ihm seine erste Frau geboren hatte, nach Ragusa. Estraf sich, daß hier eben eine pestartige Krankheit ausgcbrochen war,welche die Stadt und Gegend umher in großes Schrecken setzte.Piachi, dem die Nachricht davon erst ans der Reise zn Ohren gekom-men war, hielt in der Vorstadt an, um sich nach der Natur der-selben zn erkundigen. Doch da er hörte, daß das llebel von Tagezn Tage bedenklicher werde, und daß man damit umgehe die Thorezn sperren, so überwand die Sorge für seinen Sohn alle kaufmän-nischen Interessen: er nahm Pferde und reifete wieder ab.
Er bemerkte, da er im Freien war, einen Knaben neben seinemWagen, der nach Art der Flehenden die Hände zu ihm ansstreckteund in großer Gemüthsbewcgnng zu sein schien. Piachi ließ halten,und aus die Frage was er wolle, antwortete der Knabe in seinerUnschuld, er sei angesteckt; die Häscher verfolgten ihn, um ihn insKrankenhaus zu bringen, wo sein Vater und seine Mutter schon ge-storben wären: er bitte um aller Heiligen willen ihn mitznnehmeu