306
lieber das Marionettentheater.
ihn: ein Mechanikns nach den Forderungen, die er an ihn zn machendächte, eine Marionette bauen wolle, er vermittelst derselben einenTanz darstellen werde, den weder er, noch irgend ein anderer geschick-ter Tänzer seiner Zeit, Vestris selbst nicht ausgenommen, zn erreichenim Stande sei. Haben Sie, fragte er, da ich den Blick schweigendzur Erde schlug: haben Sic von jenen mechanischen Beinen gehört,welche englische Künstler für Unglückliche verfertigen, die ihre Schen-kel verloren haben? Ich sagte: nein! dergleichen wäre mir noch nievor Augen gekommen. Es thnt mir leid, crwiedcrte er, denn wennich Ihnen sage, daß diese Unglücklichen damit tanzen, so fürchte ichfast, Sie werden es mir nicht glauben. Was sag' ich, tanzen! DerKreis ihrer Bewegungen ist zwar beschränkt; doch diejenigen die ihnenzu Gebote stehen, vollziehen sich mit einer Nnhe, Leichtigkeit und An-mnth, die jedes denkende Gemüth in Erstaunen setzen.
Ich äußerte scherzend, daß er ja, auf diese Weise, seinen Manngefunden habe. Denn derjenige Künstler der einen so merkwürdigenSchenkel zu Lauen im Stande sei, werde ihm unzweifelhaft auch eineganze Marionette seiner Forderung gemäß zusammensetzcn können.Wie, fragte ich, da er seinerseits ein wenig betreten zur Erde sah:wie sind denn die Forderungen, die Sic an die Kunstfertigkeit dessel-ben zu machen gedenken, bestellt?
Nichts, antwortete er, was sich nicht auch schon hier fände:Ebenmaaß, Beweglichkeit, Leichtigkeit, nur Alles in einem höherenGrade und besonders eine naturgemäßere Anordnung der Schwer-punkte.
Und der Vortheil, den diese Puppe vor lebendigen Tänzern vor-aus haben würde?
Der Vortheil? Zuvörderst ein negativer, mein vortrefflicherFreund, nämlich dieser, daß sie sich niemals zierte. Denn Zierereierscheint, wie Sie wissen, wenn sich die Seele (vis motrix) in ir-gend einem andern Punkte befindet, als in dem Schwerpunkt der