220
Die Verlobung in St. Domingo.
knirschend vor Wuth, gegen Toni ab. Der Schnß war ihr mittendurch die Brust gegangen; und da sie mit einem gebrochenen Lautdes Schmerzes noch einige Schritte gegen ihn that, und sodann, in-dem sie den Knaben an Herrn Strömt! gab, vor ihm niedersank:schleuderte er das Pistol über sie, stieß sic mit dem Fuß von sich,und warf sich, indem er sie eine Hure nannte, wieder ans das Bettenieder. Du ungeheurer Mensch l riefen Herr Strömli und seine bei-den Söhne. Die Jünglinge warfen sich über das Mädchen, undriefen, indem sie cs aufhoben, einen der alten Diener herbei, derdem Zuge schon in manchen ähnlichen vcrzweiflnngSvvllen Fällen dieHülfe eines Arztes geleistet hatte; aber das Mädchen, das sich mitder Hand krampfhaft die Wunde hielt, drückte die Freunde hinweg,und: sagt ihm—! stammelte sie röchelnd, auf ihn, der sie erschossen,
hindentend, und wiederholte: sagt ihm-Was sollen wir ihm
sagen? fragte Herr Strömli, da der Tod ihr die Sprache raubte.Adelbert und Gottfried standen auf und riefen dem unbegreiflichgräßlichen Mörder zu: ob er wisse, daß das Mädchen seine Retterinsei; daß sie ihn liebe und daß es ihre Absicht gewesen sei, mit ihm,dem sie Alles, Eltern und Eigcnthnm aufgeopfcrt, nach Port auPrince zu entfliehen? — Sie donnerten ihm: Gustav! in die Oh-ren, und fragten ihn: ob er nichts höre? und schüttelten ihn nndgriffen ihm in die Haare, da er unempfindlich nnd ohne auf sie zuachten auf dein Bette lag. Gustav richtete sich auf. Er warf einenBlick auf das in seinem Blut sich wälzende Mädchen; und die Wuth,die diese That veranlaßt hatte, machte auf natürliche Weise einemGefühl gemeinen Mitleidens Platz. Herr Strömli, heiße Thränenanf sein Schnupftuch niederweinend, fragte: warum, Elender, hastdu das gethan? Vetter Gustav, der von dem Bette aufgestandenwar, nnd das Mädchen, indem er sich den Schweiß von der Stirnabwischte, betrachtete, antwortete, daß sie ihn schändlicher Weise zurNachtzeit gebunden und dem Neger Hoango übergeben habe. Ach!