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3 (1859) Erzählungen; Robert Guiskard; Gedichte, Epigramme etc.; Anhang
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Die Vertonung in St. Domingo.

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dergestalt dast die Mutter durch die Erklärungen des Fremden überdas eigentliche Schicksal des Briefes auf keine Weise in's Reine kam.So verfloß der Tag; die Mutter verschloß nach dem Abendessen ausVorsicht, wie sie sagte, des Fremden Zimmer; und nachdem sie nochmit Toni überlegt hatte, durch welche List sie sich von neuem amfolgenden Tage in den Besitz eines solchen Briefes setzen könne, be-gab sie sich zur Ruhe und befahl dem Mädchen gleichfalls zu Bettezu gehen.

Sobald Toni, die diesen Augenblick mit Sehnsucht erwartethatte, ihre Schlafkammcr erreicht und sich überzeugt hatte, daß dieMutter entschlummert war, stellte sic das Bildniß der heiligen Jung-frau, das neben ihrem Bette hing, auf einen Sessel und ließ sich

mit verschränkten Händen ans Knieen davor nieder. Sie flehte den

Erlöser, ihren göttlichen Sohn, in einen: Gebet voll unendlicher In-brunst um Muth und Standhaftigkeit an, dem Jüngling, dem sicsich zu eigen gegeben, bas Geständniß der Verbrechen, die ihren jun-gen Busen beschwerten, abznlegen. Sie gelobte diesem, was es ihremHerzen auch kosten würde, nichts, auch nicht die Absicht, erbarmungs-los und entsetzlich, in der sie ihn gestern in das Haus gelockt, zuverbergen; doch um der Schritte willen, die sie bereits zu seinerRettung gethan, wünschte sie, daß er ihr vergeben und sic als sein

treues Weib mit sich nach Europa führen möchte. Durch dies Ge-

bet wunderbar gestärkt, ergriff sie, indem sie aufstand, den Haupt-schlüsscl, der alle Gemächer des Hauses schloß, und schritt damitlangsam ohne Licht über den schmalen Gang, der das Gebäude durch-schnitt, deni Schlafgemach des Fremden zu. Sie öffnete das Zim-mer leise und trat vor sein Bett, wo er in tiefen Schlaf versenktruhte. Der Mond bcschien sein blühendes Antlitz, und der Nacht-wind, der durch die geöffneten Fenster eindrang, spielte mit dem Haarauf seiner Stirn. Sie neigte sich sanft über ihn und rief ihn, sei-nen süßen Athen: einsaugend, beim Namen; aber ein tiefer Traum,H. v. Kleists Werke, m. Bd. 14