Die Verlobung in St. Domingo.
187
aber keinen undankbaren nnd schlechten vor euch! — Wer seid ihr?fragte die Alte; nnd damit schob sie ihm mit dem Fnß einen Stnhlhin, nnd befahl dem Mädchen in die Küche zn gehen nnd ihm, sognt eS sich in der Eil thun ließ, ein Abcndbrod zn bereiten. DerFremde crwicdertc: ich bin ein Osficier von der französischen Macht,obschon, wie ihr wohl selbst nrthcilt, kein Franzose; mein Vaterlandist die Schweiz nnd mein Name Gustav von der Ried. Ach hätteich cS niemals verlassen und gegen dies unselige Eiland vertauscht!Ich komme von Fort Dauphin, wo, wie ihr wißt, alle Weißen er-mordet worden sind, nnd meine Absicht ist Port an Prince zn er-reichen, bevor cS dem General DessalincS noch gelungen ist, cS mitden Trnppen, die er anftthrt, cinznschlicßcn nnd zn belagern. — NonFort Dauphin! rief die Alte. Und es ist euch mit eurer Gesichts-farbe gegluckt, diesen ungeheuren Weg mitten durch ein in Empö-rung begriffenes Mohrculand znrückznlcgen? — Gott nnd alle Hei-ligen, crwicdertc der Fremde, haben mich beschützt! Und ich bin nichtallein, gutes Mütterchen; in meinem Gefolge, das ich znrückgclassen,befindet sich ein ehrwürdiger alter Greis, mein Oheim, mit seinerGemahlin nnd fünf Kindern; mehrere Bediente nnd Mägde, die zurFamilie gehören, nicht zn erwähnen; ein Troß von zwölf Menschen,den ich mit Hülfe zweier elenden Maulesel in unsäglich mühevollenNachtwandernngcn, da wir »ns bei Tage ans der Heerstraße nichtzeigen dürfen, mit mir fortsührcn muß. Ei, mein Himmel! riefdie Alte, indem sic unter mitleidigem Kopfschüttcln eine Prise Tabaknahm. Wo befindet sich denn in diesem Augenblick eure Reisegesell-schaft? — Euch, versetzte der Fremde, nachdem er sich ein wenigbesonnen hatte: euch kann ich mich anvcrtraucn; ans der Farbe euresGesichts schimmert mir ein Strahl von der mcinigen entgegen. DieFamilie befindet sich, daß ihr cS wißt, eine Meile von hier, zunächstdem Möwcnweihcr, in der Wildniß der angrenzenden GcbirgSwal-dnng: Hunger nnd Durst zwangen uns vorgestern diese Zuflucht