Druckschrift 
3 (1859) Erzählungen; Robert Guiskard; Gedichte, Epigramme etc.; Anhang
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162

Die Marquise vonO....

hcirathen würde. Der Vater, der sie offenbar in einem überreiztenGemüthszustande sah, erklärte, daß sie ihr Wort halten müsse; ver-ließ sie und ordnete Alles, nach gehöriger schriftlicher Rücksprachemit dem Grafen, zur Vermählung an. Er legte demselben einenHcirathskontrakt vor, in welchen! dieser auf alle Rechte eines Ge-mahls Verzicht that, dagegen sich zu allen Pflichten, die man vonihm fordern würde, verstehen sollte. Der Graf sandte das Blatt,ganz von Thränen durchfeuchtet, mit seiner Unterschrift zurück. Alsder Commandant am andern Morgen der Marquise dieses Papierüberreichte, hatten sich ihre Geister ein wenig beruhigt. Sie dnrch-laS es noch im Bette sitzend mehrere Male, legte es sinnend zusam-men, öffnete eS und dnrchlas es wieder; und erklärte hierauf, daßsie sich um 11 Uhr in der Angnstmerkirchc einfinden würde. Siestand auf, zog sich ohne ein Wort zu sprechen an, stieg, als die Glockeschlug, mit allen Ihrigen in den Wagen, und fuhr dahin ab.

Erst an dem Portal der Kirche war cs dem Grafen erlaubt,sich an die Familie anzuschließen. Die Marquise sah während derFeierlichkeit starr ans das Altarbild; nicht ein flüchtiger Blick warddem Manne zu Theil, mit welchem sie die Ringe wechselte. DerGraf Lot ihr, als die Trauung vorüber war, den Arm; doch so-bald sie wieder ans der Kirche heraus waren, verneigte sich die Grä-fin vor ihm; der Commandant fragte, ob er die Ehre haben würdeihn zuweilen in den Gemächern seiner Tochter zu sehen, worauf derGraf etwas stammelte, das niemand verstand, den Hut vor der Ge-sellschaft abnahm und verschwand. Er bezog eine Wohnung inM..., in welcher er mehrere Monate zubrachte, ohne auch nur denFuß in des Commaudantcn Hans zu setzen, bei welchem die Grä-fin zurückgeblieben war. Nur seinem zarten, würdigen und völligmusterhaften Betragen überall, wo er mit der Familie in irgendeine Berührung kam, hatte er es zu verdanken, daß er, nach dernunmehr erfolgten Entbindung der Gräfin von einem jungen Sohne,