Die Marquise von O....
161
vermählen! griff in ein Gefäß mit Weihwasser, das an der hinternThür befestigt war, besprengte in einem großen Wurf Vater undMutter und Bruder damit, und verschwand.
Der Commandant, von dieser seltsamen Erscheinung betroffen,fragte, was vorgcfallen sei; und erblaßte, da er in diesem entschei-denden Augenblick den Grafen F... im Zimmer erblickte. Die Mut-ter nahm den Grafen bei der Hand und sagte: frage nicht; dieserjunge Mann bereut von Herzen Alles, was geschehen ist; gieb deinenSegen, gieb, gieb, so wird sich Alles noch glücklich endigen. DerGraf stand wie vernichtet. Der Commandant legte seine Hand ansihn; seine Augenwimpern zuckten, seine Lippen waren weiß wieKreide. Möge der Fluch des Himmels von diesen Scheiteln wei-chen! rief er; wann gedenken Sic zu heirathen? — Morgen, ant-wortete die Mutter für ihn, denn er konnte kein Wort hcrvorbrin-gen, morgen oder heute, wie du willst; dem Herrn Grafen, der soviel schöne Beeiferung gezeigt hat, sein Vergehen wieder gut zu ma-che», wird immer die nächste Stunde die liebste sein. — So habeich das Vergnügen, Sie morgen um 11 Uhr in der Augustinerkirchezu finden! sagte der Commandant; verneigte sich gegen ihn, riefFrau und Sohn ab, um sich in das Zimmer der Marquise zu ver-fügen, und ließ ihn stehen.
Man bemühte sich vergebens, von der Marquise den Grundihres sonderbaren Betragens zu erfahren; sie lag im heftigsten Fie-ber, wollte durchaus von Vermählung nichts wissen, und bat sieallein zu lassen. Ans die Frage, warum sie denn ihren Entschlußplötzlich geändert habe? und was ihr den Grafen gehässiger macheals einen andern? sah sie den Vater mit großen Augen zerstreut an,und antwortete nichts. Die Obristin sprach: ob sie vergessen habe,daß sie Mutter sei? worauf sie erwiedertc, daß sie in diesem Fallemehr an sich als ihr Kind denken müsse, und nochmals, indem siealle Engel und Heiligen zu Zeugen anrief, versicherte, daß sie nichtH. o. Kleists Werke. III. Vd. 11