Die Marquise von O....
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Der Graf schlug sich mit der Hand vor die Stirn. Warum legtemau mir so viele Hindernisse in den Weg! rief er in der Vergessen-heit seiner. Wenn die Vermählung erfolgt wäre: so wäre alleSchmach und jedes Unglück uns erspart! Der Forstmeister fragte,indem er ihn anglotzte, ob er rasend genug wäre zu wünschen, mitdieser Nichtswürdigcn vermählt zu sein? Der Graf erwiederte, daßsie mehr werth wäre als die ganze Welt, die sie verachtete; daß ihreErklärung über ihre Unschuld vollkommen Glauben bei ihm fände;und daß er noch heute nach V... gehen, und seinen Antrag bei ihrwiederholen würde. Er ergriff auch sogleich seinen Hut, empfahlsich dem Forstmeister, der ihn für seiner Sinne völlig beraubt hielt,und ging ab.
Er bestieg ein Pferd und sprengte nach V... hinaus. Als eram Thore abgestiegen war und in den Vorplatz treten wollte, sagteihm der Thürsteher, daß die Frau Marquise keinen Menschen spräche.Der Graf fragte, ob diese für Fremde getroffene Maßregel aucheinem Freunde des Hauses gälte; worauf jener antwortete, daß ervon keiner Ausnahme etwas wisse, und bald darauf auf eine zwei-deutige Art hinznsetzte: ob er vielleicht der Graf F... wäre? DerGraf erwiederte nach einem forschenden Blick: Nein; und äußertezu seinem Bedienten gewandt doch so, daß jener eS hören konnte,er werde unter solchen Umständen in einem Gasthofe absteigen undsich bei der Frau Marquise schriftlich anmelden. Sobald er inzwi-schen dem Thürsteher aus den Augen war, bog er um eine Eckeund umschlich die Mauer eines weitläufigen Gartens, der sich hinterdem Hause ausbreitetc. Er trat durch eine Pforte, die er offenfand, in den Garten, dnrchstrich die Gänge desselben, und wollteeben die Hintere Rampe hinanfsteigen, als er in einer Laube, diezur Seite lag, die Marquise in ihrer lieblichen und geheimnißvollenGestalt an einem kleinen Tischchen emsig arbeiten sah. Er nähertesich ihr so, baß sie ihn nicht früher erblicken konnte, als bis er amH. v. Kleists Werke. III. Bd. 10