120
Die Marquise von O....
greifen anfing, Einhalt zn thun, und leistete selbst hierbei Wunderder Anstrengung, als man seine Befehle nicht mit dem gehörigenEifer befolgte. Bald kletterte er, den Schlauch in der Hand, mittenunter brennenden Giebeln umher und regierte den Wasserstrahl; baldsteckte er, die Naturen der Asiaten mit Schauder erfüllend, in denArsenalen und wälzte Pulverfässer und gefüllte Bomben heraus.Der Commandant, der inzwischen in das Haus getreten war, ge-rietst ans die Nachricht von dem Unfall, der die Marquise betroffenhatte, in die äußerste Bestürzung. Die Marquise, die sich schon völ-lig ohne Beihülfe des Arztes, wie der russische Offizier vorher ge-sagt, ans ihrer Ohnmacht wieder erholt hatte, und bei der Freude,alle die Ihrigen gesund und wohl zu sehen, nur noch um die über-mäßige Sorge derselben zn beschwichtigen das Bett hütete, versicherteihn, daß sie keinen andern Wunsch habe, als ausstehen zu dürfen,um ihrem Netter ihre Dankbarkeit zu bezeugen. Sie wußte schondaß er der Graf F..., Obristlieutenant vom T...n Jägerkorps undRitter eines Verdienst- und mehrerer andern Orden war. Sic batihren Vater ihn inständigst zu ersuchen, daß er die Citadelle nichtverlasse, ohne sich einen Augenblick im Schloß gezeigt zn haben.Der Commandant, der das Gefühl seiner Tochter ehrte, kehrte auchungesäumt in das Fort zurück, und trug ihm, da er unter unauf-hörlichen Kriegsanordnnngcn umherschweiste, und keine bessere Gele-genheit zu finden war, ans den Wällen, wo er eben die zerschossenenRotten revidirte, den Wunsch seiner gerührten Tochter vor. DerGras versicherte ihn, daß er nur auf den Augenblick warte, den erseinen Geschäften würde abmüßigen können, um ihr seine Ehrerbie-tigkeit zn bezeugen. Er wollte noch hören, wie sich die Frau Mar-quise befinde? als ihn die Rapporte mehrerer Offiziere schon wiederin das Gewühl des Krieges zurllckrissen. Als der Tag anbrach, er-schien der Befehlshaber der russischen Truppen und besichtigte dasFort. Er bezeigte dem Commandanten seine Hochachtung, bedauerte,