Druckschrift 
3 (1859) Erzählungen; Robert Guiskard; Gedichte, Epigramme etc.; Anhang
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

52

Michael KvhlbaaS.

meine ich, seinen Lauf: laßt das Erkenntniß, wie es nur zukommt,

sprechen, und den Junker mir die Rappen auffiittern.-Luther

sagte, indem er unter mancherlei Gedanken wieder zu seinen Papie-ren griff: er wolle mit dem Kurfürsten seinethalben in Unterhand-lung treten. Inzwischen möchte er sich auf dem Schlosse zu Lützenstill halten; wenn der Herr ihm freies Geleit bewillige, so werdeman es ihm auf dem Wege öffentlicher Anplackung bekannt machen.— Zwar, fuhr er fort, da Kohlhaas sich herabbog, um seine Handzu küssen: ob der Kurfürst Gnade für Siecht ergehen lassen wird,weiß ich nicht; denn einen Heerhaufen, oernehm' ich, zog er zusam-men, und steht im Begriff dich im Schlosse zu Lützen aufzuheben;inzwischen, wie ich dir schon gesagt habe, an meinem Bemühen solles nicht liegen. Und damit stand er auf und machte Anstalt ihn zuentlassen. Kohlhaas meinte, daß seine Fürsprache ihn über diesenPunkt völlig beruhige; worauf Luther ihn mit der Hand grüßte,jener aber plötzlich ein Knie vor ihm senkte und sprach: er habenoch eine Bitte ans seinem Herzen. Zu Pfingsten nämlich, wo er anden Tisch des Herrn zu gehen Pflege, habe er die Kirche dieser seinerkriegerischen Unternehmung wegen versäumt; ob er die Gewogenheithaben wolle, ohne weitere Vorbereitung seine Beichte zu empfangenund ihm zur Auswechselung dagegen die Wohlthat des heiligen Sa-kraments zu ertheilen? Luther, nach einer kurzen Besinnung, indemer ihn scharf ansah, sagte: ja, Kohlhaas, das will ich thun! DerHerr aber, dessen Leib du begehrst, vergab seinein Feind. — Willstdu, setzte er, da jener ihn betreten ansah, hinzu, dem Junker, derdich beleidigt hat, gleichfalls vergeben, nach der Tronkenburg gehen,dich auf deine Rappen setzen, und sie zur Dicksütterung nach Kohl-haasenbrück heimreiten? — Hochwürdiger Herr, sagte Kohlhaas er-röthend, indem er seine Hand ergriff, — nun? — der Herr auchvergab allen seinen Feinden nicht. Laßt mich den Kurfürsten, mei-nen beiden Herren, dem Schloßvogt und Verwalter, den Herren Hinz