36
Michael Kohlhaas.
allen seinen Winkeln jetzt von ihr erleuchteten Platz, und da er sich,so schwer es ihm auch ward, überzeugen mußte, daß die Unterneh-mung ans die Burg fehlgeschlagen war, so schickte er, die Brust vollSchmerz und Jammer, Hersen mit einigen Knechten aus, um überdie Richtung, die der Junker auf seiner Flucht genommen, Nachrichteinznziehen. Besonders beunruhigte ihn ein reiches Fräuleinstift Na-mens Erlabrnnn, das an den Ufern der Mulde lag, und dessen Aeb-tissin Antonia von Trouka als eine fromme, wohlthätige und heiligeFrau in der Gegend bekannt war; denn es schien dem unglücklichenKohlhaas nur zu wahrscheinlich, daß der Junker sich, entblößt vonaller Nothdurft wie er war, in dieses Stift geflüchtet habe, indemdie Aebtissin seine leibliche Tante und die Erzieherin seiner erstenKindheit war. KohlhaaS, nachdem er sich von diesen! Umstand un-terrichtet hatte, bestieg den Thurm der Vogtei, in dessen Inneremsich noch ein Zimmer zur Bewohnung brauchbar darbot, und ver-faßte ein sogenanntes „KohlhaasischcS Mandat," worin er das Landanfforderte, dem Junker Wenzel von Tronka, mit dem er in einemgerechten Krieg liege, keinen Vorschub zu thnn, vielmehr jeden Be-wohner, seine Verwandten und Freunde nicht ausgenommen, ver-pflichte, denselben bei Strafe Leibes und des Lebens und unvermeid-licher Einäscherung alles dessen, was ein Besitzthum heißen mag, anihn auszuliefern. Diese Erklärung streute er durch Reisende undFremde in der Gegend ans; ja er gab Waldmann dem Knecht eineAbschrift davon, mit dem bestimmten Aufträge, sie in die Hände derDame Antonia nach Erlabrnnn zu bringen. Hierauf besprach ereinige Tronkcnburgische Knechte, die mit dem Junker unzufriedenwaren und von der Aussicht aus Beute gereizt in seine Dienste zutreten wünschten; bewaffnete sie nach Art des Fußvolks mit Arm-brüsten und Dolchen und lehrte sie hinter den berittenen Knechtenaufsitzen; und nachdem er alles was der Troß zusammengeschlepptzu Geld gemacht und das Geld unter denselben vertheilt hatte, rn-