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Michael Kohlhaas.
noch einige Tage lebte. Man versuchte vergebens, ihr das Bewußt-sein wieder zu geben, um über das was vorgefallen war einige Auf-schlüsse zu erhalten; sie lag mit starrem schon gebrochnen Auge daund antwortete nicht. Nur kurz vor ihrem Tode kehrte ihr nocheinmal die Besinnung wieder. Denn da ein Geistlicher lutherischerReligion (zu welchem eben damals aufkeimenden Glauben sie sichnach dem Beispiel ihres Mannes bekannt hatte) neben ihrem Bettestand und ihr mit lauter und empfindlich feierlicher Stimme ein Ca-pitcl ans der Bibel vorlas: so sah sie ihn plötzlich mit einem fin-stern Ausdruck an, nahm ihm, als ob ihr daraus nichts vorzulesenwäre, die Bibel aus der Hand, blätterte und blätterte und schienetwas darin zu suchen; und zeigte dein Kohlhaas, der an ihremBette saß, mit dem Zeigefinger den Vers: Vergieb deinen Feinden;thnc wohl auch denen, die dich hassen. — Sie drückte ihm dabei miteinem überaus seelenvollcn Blick die Hand und starb. — Kohlhaasdachte: so möge mir Gott nie vergeben, wie ich dem Junker ver-gebe! küßte sic, indem ihm häufig die Thränen flössen, drückte ihrdie Augen zu und verließ das Gemach. Er nahm die hundert Gold-gülden, die ihm der Amtmann schon für die Stalle in Dresden zu-gefertigt hatte, und bestellte ein Leichenbegängniß, das weniger fürsic als für eine Fürstin angcordnct schien: ein eichener Sarg starkmit Metall beschlagen, Kissen von Seide mit goldenen und silbernenTroddeln, und ein Grab von acht Ellen Tiefe mit Feldsteinen ge-füttert und Kalk. Er stand selbst, sein Jüngstes auf dem Arm, beider Gruft und sah der Arbeit zu. Als der Begräbnißtag kam, warddie Leiche weiß wie Schnee in einem Saal aufgestellt, den er mitschwarzem Tuch hatte beschlagen lassen. Der Geistliche hatte ebeneine rührende Rede an ihrer Bahre vollendet, als ihm die landes-herrliche Resolution aus die Bittschrift zugestellt ward, welche die Ab-geschiedene übergeben hatte, des Inhalts: er solle die Pferde von derTronkenburg abholen, und bei Strafe, in das Gefängniß geworfen