Druckschrift 
1 (1850)
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

6l

beim Wechsel der Getreidepreise nicht leiden, für die Regierungaber ist es vortheilhast, weil sie dann keine Theurungszulagenzu geben braucht und einen Theil ihrer Getrcideeinkünfte immernach einem Durchschnittspreise verwendet, folglich von denPreisveränderungen weniger Störung im Finanzwesen empfin-det (a).

(a) Der schlesische Ritter Hans von Schwein:chen erhielt 1593 beiseiner Anstellung als fürstlich liegnitzischer Hofmarschall folgendeBesoldung: 150 Rthlr. baar nebst 30 Nthlr. für Kleidung, 2Malter Roggen, I/, Schock Karpfen, l Schock Hechte, 2 ZuberFische, l Spickschwein, 3 Viertel goldberger Bier, 4 Haufen Holz.S. dessen Leben, herausgeg. v. Büsching, III, 39. Vgl. Hoff-man::, Finanzw. v. Würt. z. Anfang des 16. Jahrh. S. 12.

(ü) Nassau (Protokolle der Deputirten-Versamml. 1822. S. 149.),Würtemberg (Memmingcr Jahrbücher, 1823. II, 290). InBaiern war 1819 gewünscht worden, einen Theil der Besoldungenauf Getreide zu setzen. Protokolle der Dep.-Kammer, IX, 19. X,457. Ebenso 1825. Beil. X, 124. 6. Im I. 1826 wurde beineuen Anstellungen der Anfang gemacht. Diese Einrichtung würdeaber die Lage der Beamten verschlimmern, wenn der in Getreidebestehende Besoldungstheil bei der Regulirung der Pensionennicht in Betracht käme; s. die Schrift: Einiges über Getreide-bcsoldungen in: K. Baiern. Augsb. 1829. v. Mussinan'sAntrag an die baier. 2. Kammer v. I83l in Mätzlcr's Be-richt über daS AuSg. Budg. Beil. XblV. 6.

(v) In ähnlichem Sinne Herdegen, Würt. StaatSHH. S. 161.

§. 60 .

Bon den Unterhaltsmitteln folgt ein Theil den jedesmaligenVeränderungen deS GetreidcpreiseS schnell nach, z. B. Brot,Fleisch, Milch, Butter, Talg, Eier, Obst, Gemüse, Kartoffeln,Bier; ein anderer Theil, sowie auch die Lohnarbeit, steigt odersinkt gewöhnlich erst bei einem anhaltend hohen oder niedrigenFruchtpreise, viele Maaren endlich halten sich von letzterem ganzunabhängig, z. W. Holz, Wein, Colonialwaaren, Kleidung,Wohnung. In Bezug auf die letzteren kann eine Naturalbesol-dung gar keinen Nutzen gewähren; auch bei der erwähntenzweiten Elaste von Waaren ist der Zusammenhang mit denGetreidepreisen zu unsicher und ungleichförmig, als daß dieBesoldeten vermittelst eines unveränderlichen Fruchtquantumsimmer in gleicher Lage erhalten werden könnten. Es solltedaher nur derjenige Theil der Besoldung, welcher muthmaßlichfür die Ausgaben der ersten Elaste verwendet wird, auf Getreide