Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
428
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428 Umsturz d. konvent. Dichtung durch Verjüng, d. Naturpoesic.

über diese Reise schrieb, ein merkwürdiges Aktenstück zn Herder's innererGeschichte, spricht die gesteigerte Empfänglichkeit mit einer heftigen Glutans. Ans den Geschäften und Possen der bürgerlichen Welt entnommen,vom Stuhle des Gelehrten weg auf dem Elemente jener Helden, ver-stand er den Osstan ganz anders, und er verlor nicht daö „Gefühl jenerNacht, da er auf scheiterndem Schiff, mit Meer bespült und mit Mittcr-nachtwind überschauert, den Fingal las." In dieser Schrift sind inganzer Unmittelbarkeit alle seine jugendlichen Organe in Thätigkeit, diedamals gleichsam in ihm erwachten, als er auf den Natursiun der See-leute achtete, die auf die große Natur allein beschränkt sind, in der Naturscharf beobachten, und dann auch einen Schritt über die Natur hinausins Geisterhafte und Wunderbare thun. Hagel, Blitz, Mond undSterne machten hier ganz andere Wirkung auf ihn, als auf dem Lande;hier sehnt er sich Orpheus und Homer zu See zu lesen, hier sprach ihm„das Frappante der ersten Dämmerungsgeschichte und Poesie" noch weitanders zn als sonst. Die Eindrücke dieser Reise wurden dem Publikumbald kund, in Bezug auf Poesie zunächst in den fliegenden Blättern vondeutscher Art und Kunst (1773), die er mit Göthe herausgab, unddie gewöhnlich als das Zeichen zu der neuen Kunstkritik angesehen wer-den, wie Gvthe's Erstlingswerke als das der neuen Naturdichtung.Hier schrieb Herder über Ossian und Shakespeare; er verglich Ossian'öLieder mit den Gesängen der nordamerikanischcn Wilden, deren lebendi-gen Eindruck die Reisenden schilderten, er sprach seine Freude an diesemwilden Gesänge unverholen und in einer Sprache voll neuer sinnlicherGlut aus, und diese Begeisterung wird damals nicht dem Corresponden-ten allein, den Herder fingirt, so ausgefallen sein, wie Voltaire'n, daßRousseau das Gehen auf Vieren so wohl gefiel. Denn dies war da-mals unser Rückgang auf den Urzustand, daß wir nicht den Staat unddie Gesellschaft auf die erste Ursprünglichkeit zurückführen wollten, son-dern die Poesie, das Reich der Einbildung. Herder hält hier das Todtealler unserer Poesiestücke gegen dieses dramatische Leben, diese Sceneu,Bilder und Gestalten. Den rohen, einfältigen Geist, die große Manier,die Tiefe des Eindrucks, den jedes so starkgesagte Wort macht, denfreien Wurf, mit dem der Eindruck gemacht wird, das Alles hebt erhervor, nicht als Muster, sondern als Natur. Er rühmt jene Sinnlich-lichkeit dieser Gesänge ohne Begriffsworte und symbolischen Lettern-verstand, ohne Künstelei und Ueberlegung, diese Schwächungen desGeistes; er wagt es zu sagen, unsere Pedanten, die Alles zusammen-plapperten um methodisch zu stammeln, unsere Schulmeister und Küster