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364 Wiedcrgeb. v. Dicht, unt. d. Einstüsscn v. Moral, u. d. Kritik.
Göthe's und Schiller's, die Kritik der späteren Romantiker führte prak-tisch und theoretisch weiter ans, was Lessing umschrieben hatte, und gabmehr Nachdruck hinzu; und endlich gelang cs den Einflüssen der deut-schen Literatur, den alten Pcrückenstil in Frankreich selbst zu untergraben.Schon gleich nach ihrer Erscheinung führten schadenfrohe Neider desVoltaire die Dramaturgie in Frankreich ein. Kein schmähsüchtigerBonhours redete hier eitle Vorwürfe gegen nichtsbedeutende Männer,sondern der Tadel traf, die Ersten unter den Lebenden und Todten, dieCorneille und Voltaire; er war mit allem Aufgebot der Gründlichkeitbelegt, mit aller Gerechtigkeit auf den Maßstab der Angegriffenen selbst,wiewohl mit „eigenem Ekel" gestellt; er ging mit der möglichsten Kurz-weiligkeit auf alle Langweilichkeiteu und Kleinlichkeiten der französischendramatischen Kritik ein, die den guten Deutschen bis dahinter lauter.Evangelien waren. Nicht auS blinder Nationaleitelkeit ist den fremdenMustern und Meistern widersprochen, sondern die Unparteilichkeit desKnnstrichters springt grell in die Augen, wenn er gleich anfangs dieCronegk und Gottsched, und später die Schlegel, Romanuö und Weißewegwirft und seine eigenen Versuche nicht schont; wenn er den Vorfech-tern unserer Originaldichtung die Hand führend zeigt, wie große Stüm-per sie sind, und selbst unsere bloßen Uebersetzer französischer Stücke ver-achtet, welche in unserer Sprache (die doch wie die griechische schon durchden Rhythmus die Leidenschaften auzudcuten vermöge), jene französischenVerse sogar nicht uachbilden konnten, in denen das Metrische bloöKitzelung der Ohren ist, ohne zur Verstärkung des Ausdrucks beizutra-gen , und die keinen anderen als den elenden Werth der überstandenenSchwierigkeit haben. Die kühne Manier, in der die Dramaturgie ge-schrieben ist, und die bald von Herder und den Kraftmännern der 70erJahre ins Rohe übertrieben war, veranlaßt leicht, die vortrefflichen Er-gebnisse, die oft in entlegenen Ecken versteckt liegen, zu übersehen, sichan der polemischen Seite zu unterhalten und an der einzigen, siegcs-sicheren Kriegführung zu ergötzen, mit der er die Meisterstücke der srau-zöstschen Bühne aufreibt und den großen Anführern Corneille und Vol-taire die Lorbeeren zerpflückt. Besonders an dem Letzteren übt er seinSpiel, ich würde sagen zu übcrmüthig und muthwillig, wenn nicht desMannes poetischer und kritischer Dünkel eine solche Behandlung heraus-gefordert hätte. Ich führe, sagt er, den Herrn von Voltaire so gern an.Es ist aus ihm allezeit etwas zu lernen, wenn auch nicht das, was ersagt, doch was er hätte sagen sollen. Ich wüßte keinen Schriftsteller derWelt, an dem man so gut versuchen könnte, ob man aus der ersten Stufe