Schauspiel. (Lcssing.)
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Schauspieler Müller seine Nachrichten und Anzeigen vom wiener Theater(1771) entwarf, schnappten sie ihm sogleich die Idee weg und gabenihren Thcateralmanach heraus. Sonncnfels hatte sich von den Vor-würfen Nicolai's spornen lassen und trat 1765 zuerst mit theatralischenVersuchen, dann mit seinen vermischten Schriften heraus; 1766 beganner den Mann ohne Vorurtheil, eine Wochenschrift, worin er Unwissen-heit, Geschmacklosigkeit, Vorurtheil, die Sittenlosigkeit des Schauspiels,selbst die Gewalt der Geistlichkeit angriff. Er that dieö aber mit solcherVorsicht, daß er in Bezug auf das Schauspiel selbst eine Censur der auf-zusührenden Stücke empfahl. Dem plebejischen Tribunenpaar war eineReform dieser Art nicht genügend von einer Seite, und von der andernzu weit gehend; sie nahmen sich des Hanswurstes an und schriebentheatralische Satiren zu Gunsten des grünen HutS (Hanswursts) gegenSonncnfels; und auch als Klemm in seiner Dramaturgie Abbitte that,hörte er und sein Freund nicht auf, Sonncnfels fernerhin zu necken.Weit gefährlicher als diese war aber Sonnenfels die Partei des rothenHutS (die Geistlichen), die ihn als des Antichrists Vorläufer ausahen;selbst der Hofrath rüstete sich gegen ihn, als er gegen Tortur, Todes-strafe und Kirchenbuße gefallener Mädchen schrieb; er trug auf seineEntsetzung an. Allein Kaunitz und van Swieten schützten ihn. DieRegsamkeit der anfklärenden Partei war jetzt gerade ans ihrer Spitze,und eben dies macht begreifen, wie ihm Anfänge der 70er Jahre allegroßen Männer in Deutschland ihre Angen auf Wien gerichtet hatten.Man erinnere sich, daß dies eben die Zeit war, als der Bischof vonRnremont, Joh. H. von Kerens, daS Dichtertalent in dem JesuitenDenis weckte, als dieser eine ganze Schule um sich sammelte, den Fort-schritt von Gottscheds Standpunkt auf Klopstock's machte und die freu-dige Theilnahme des ganzen protestantischen Deutschlands erregte, undnothwendig erregen mußte, da er mit seinem Ossian einen so glücklichenGriff in das allgemeine deutsche Leben that. Man erinnere sich, daß1773 der Jesuitenorden aufgehoben ward, und daß nun Hoffnung war,ein neues System der Volkserziehung durchzusetzcn. Unglücklicherweisebegann man hier, wie neuerdings in Athen, von oben herab; maudachte immer an Akademien und glänzende Anstalten; der Kaiser warimmer bereit auf das. Blendende einzugehen; van Swieten wollte erstan Schulen denken, ehe er an Akademien die Hand legte; und hier leidergeschah nicht, was geschehen sollte, und konnte gegen die Macht der Ge-wohnheit auch das nicht durchgesetzt werden, was man wünschte. DieStudienplane von Heß und Birkenstock ließ man fallen, und betriebGerv. d. Dicht. IV. Bd. 23