Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
344
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344 Wicdergeb. d. Dicht, unt. dcn Einflüssen d. Moral, u. d. Kritik.

sollten, so führte er ihre kleinen Ergötzlichkeiten und Vaudevilles ein.Dadurch ist er viel schädlicher geworden als durch seine erfolglosenTrauerspiele; die ganze Schaar der mittelmäßigen Talente, die sich, angute Komponisten angerankt, wohlfeil einen Namen machen wollte, warfsich auf diese Tändeleien. Schon 1767 hatte sein Lottchen am Hofe,durch Hiller'S Komposition gehoben, den Beifall seines früheren Ver-suchs in diesem Gebiete erhalten, die tändelnden und zärtlichen Anettengefielen dem Publikum immer noch besser, als die alerandrinischcn Ro-domontaden im Schauspiel, und es ist bekannt, daß die Operetten vonHiller und Weiße für die damaligen Direktionen, wie Schmidt in derChronologie des deutschen Theaters sagt, piöoe8 cle resnouros wurden.In diesem Fache brauchte sich Weiße nicht von dem unbequemen Kritikermeistern zu lassen, hier spielte er selbst den Meister. Engel, Michaelis,Götter, Schiebcler, Gerstenberg und viele Andere ahmten ihm hier nach.In Weimar fand dieser Geschmack sehr schnell Eingang. Hier war schon1756 die Döbbelin'sche Truppe in Thätigkeit, die Brückner und die Me-cour fanden sich hier ein, und schon damals hätte dort das Theater einefeste Stätte gefunden, wenn nicht der Herzog gestorben wäre. 1768 gabdie Herzogin Amalie dem aus Leipzig verdrängten Koch eine Zuflucht-sstätte. Unter den dortigen Literaten schloß sich Musäus zuerst in seinemGartenmädchen an Weiße an, das von Wolf komponirt war; baldwetteiferte Schweizer, den der Hildburghäuser Hof in Italien hatte reisenlassen, mit Hiller; er verpflichtete/ich bei der Sepler'schen Truppe, kom-ponirte für diese einige kleine Stücke von Jacobi und kam mit ihr nachWeimar, wo auch dieser Operngeschmack schon vor Göthe's Zeit fest-stand, wo ein Rath Hcermann schon für Wolf und nun auch für Schwei-zer Operetten schrieb, wo Wieland gleich mit seiner Aurora, später mitseiner Alceste und seinen Opern in Mctastasio's Geschmack auftrat, undwo selbst Göthe sich zu Vaudevilles hcrgeben mußte. Nach dem Brandedes Schlosses in Weimar (1774) trug die Seyler'sche Truppe diesen Ge-schmack nach Gotha, das gleich anfangs mit dem Weimarer Hofe schienwetteifern zu wollen. Der Gothaer Reichard begann hier bereits seineschriftstellerische Laufbahn; Götter hatte die Seyler'sche Truppe schonin Wetzlar kennen gelernt und hatte für sie französische Stücke bearbeitet;Gerstenberg's Ariadne, wie sie Brandes umarbeitele, ward von Bendakomponirt und in Gotha zuerst gegeben, und Götter ward jetzt der eifrigsteNachfolger Weiße'S im Fache der Operette; für ihn war Benda, wasHiller für jenen. Der Operettengeschmack dieser Jahre liegt durchausauf Einer Linie mit den Tändeleien der halberstädtcr Dichter, mit denen