Schauspiel. (Lessing.)
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blos darin, daß das Epos in der ungestörten Periode des Allgemeinge-fühls der Völker als einzige Gattung allein besteht, das Schauspiel aber,das auf das Epos folgt, und das mühsam aus verschiedenen Nebengat-tungen und Unterarten der Poesie erwächst, nothwendig von diesen undden Resten des Epos umgeben und überdeckt liegt, so daß wir in unsererhistorischen Betrachtung eben so genöthigt waren, zur reineren Betrach-tung des Dramas diesen Schnlt erst wegzuräumen, wie Lessing bei seinenBestrebungen für dessen Herstellung dieselbe Thätigkeit oblag.
Wo zu irgend einer Zeit das Drama lebendig aus der Geschichteaufstcht, wie in den Zeiten des dreißigjährigen Krieges, wo die Erre-gung dör Gemüther auf dem Schauplatz leicht war, weil die große Bühneder Weltbegebenheiten selbst die weite Grundlage des Interesses für alleNachahmungen derselben bildete, da bedarf der Schauspieldichter wenigermaterieller Mittel, um zu wirken, eben weil er der Hauptwirkung, derGefangennahme der Gemüthöbewegungen, sicher ist. In solchen Zeitenöffentlicher Aufregung also stellte sich die höchste Leistung im Dramati-schen, und die den Zuschauer am tiefsten in Anspruch nimmt, das Trauer-spiel, von selbst ein. Schwindet diese Theilnahme wieder, verlieren dieMenschen den Sinn für große Gegenstände und mit ihm die Geduld,sich durch diese ausreizen zu lassen zu Schmerz und Unlust, so bleibt demDrama nichts übrig, als sich auf Convenienzstücke, auf bürgerlicheSchau- und Lustspiele zu werfen, oder für jede allenfallsige Aufregungmit desto stärkerer Nahrung für die äußeren Sinne, mit der Oper undähnlichen Schaustücken, zu entschädigen. Ans diesem Standpunkte habenwir früher unser Schauspiel verlassen, ja ans einem noch gesunkcncrcn.Denn der grobe Sinnenreiz selbst war in den Opern unmäßig übertrie-ben, und die gemeinste Lachlust schien in den Lustspielen nur noch mitSchmutz und Zoten befriedigt werden zu können.
Den öffentlichen Zustand der Schauspieldichtnng, der Bühne undder Spieler um Gottsched's Zeit kann man sich nicht niedrig genug ver-stellen. Eine Truppe von der Bedeutung, wie wir sie in Gryphius' Zeitfanden, eristirte kaum mehr; dramatische Dichter wie Hallmann würdenjetzt Epoche gemacht haben. Bis weit in das Jahrhundert hinein bilde-ten sich noch Schauspielertrnppen aus Seiltänzerbanden, und auf ihrenBuden wechselten Marionetten mit lebenden Personen ab; ein Kunigermachte sich mit einer solchen Bande noch um 175l) einen Namen, undaus des Schneiders Reibehand Marionettentheater ging der KomikerFranz Schuch hervor, der mit Schönemann, Koch und Ackermann dieersten Verdienste um die Wiedergeburt des Schauspiels theilt. Die