Lessing.
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er dagegen seine scharfe Unterscheidung: die Malerei braucht Figurenund Farben im Raume, die Dichtkunst artiknlirte Töne in der Zeit; derGegenstand jener sind Körper und andeutungsweise durch Körper Bewe-gungen (so emendirt Lessing in den Fragmenten); der Gegenstand derPoesie Bewegungen und andeutungsweise durch Bewegungen auch Kör-per. Dieser schroffe Satz stieß bei Jedem an, dem das logische Denkennicht so geläufig war. Allerdings bedurfte er kleine Einschränkungenoder Verdeutlichungen, deren in den Fragmenten einige nachgetragcnsind; allein auch ohne sie lag die Wahrheit in den ersten Sätzen imLaokoon kenntlich^«). Herder wehrte sich gegen diese, wie gegen denganzen Laokoon, ja wie er Alles, waS Lessing scharf umschrieben hatte,mit seiner kritischen Phantasie wieder zu verwischen strebte. Ec konnte soweit gehen, die in einander geschachtelten Gemälde, die auf Einem Blatteeine Reihe von Historien malen, in Schutz zu nehmen und zur Einredegegen die Behauptung zu brauchen, daß das Sueeesstve der redendenKunst nur zukomme; was würde er erst gesagt haben, wenn er jeneDrehgläser gekannt hätte, die uns Gemälde in wirklicher Bewegungzeigen! Was freilich bei Herder'n den größten Anstoß erregte, war, daßin Folge dieser neuen Theorie die Malerei in der Poesie, wie wir obengesehen haben, wegfiel, und daß nur Handlungen (Reihen von Be-wegungen, die auf euren Endzweck abzielen) die große Aufgabe der Poesieblieben. Herder mag das Eine und das Andere nicht gelten lassen, weiler für seinen Ossian angst ist! und für arivstische Stellen, und für die
>56) Lessing sagt unter Anderem: die Malerei habe nur einen einzigen Augenblickfür ihre dargestellten Handlungen zu Gebote stehen; dieser könne nicht fruchtbar genuggewählt werden ; er dürfe nichts enthalte», was sich als transitorisch denken lasse. Göthein seinem Aufsatz im Laokoon scheint das Gegentheil zu fordern: es müsse in einer vor-gestellten Handlung ein vorübergehender Moment gewählt sein, wie eben i» Laokoon'sGruppe. Wer Lessing bis zu §. 16 verfolgt, der findet, daß sich dies nicht widerspricht.Lessing verlangt aufs deutlichste, der Maler solle aus der Reihe von Momenten, die eineHandlung bilden, den prägnantesten wählen, der am meisten die voransgegangenen undfolgenden crrathen läßt, der in sofern, mit Göthe zu reden, immer nur ein vorüber-gehender Moment ist, mit Lessing zu reden aber ein Centn»», einen Rnhepunkt bildet,auf dem man weilen mag, weil er große Aussichten bietet. — Wie fein im alten SinneLessing'S Ansicht ist, belegen auch die Tänzer, die die Alten ohne Boden bildeten. Siesonderten gleichsam das Bild ab, das die Phantasie vom Tanze fest hält, die schwebendeBewegung, die von allen Bewegungen die ruhigste ist. Ich glaube, warnen zu müssen,daß man Lessing je leichtsinnig widerspreche. Göthe hat z. B. über Laokoon auch eineAnsicht mitgetheilt, und in ihm die Stellung gefunden, die uns ein Kitzel in der Seiteannehmen macht. Ich möchte aber wissen, ob es nicht physiologisch wörtlich zu ver-stehen ist, wenn ich meine, in Laokoon's Lage müsse dem Mensche» aller Kitzel vergehen.
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