Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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313
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Lcssing.

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Lob und Tadel, und der komische Aerger und Gehorsam, mit dem ihmWieland folgte, sind durchweg ergötzlich. Sobald Wieland sich vonBodmer verleiten ließ, den Weg zu verlassen, den er in derNatur derDinge" und denmoralischen Briefen" zuerst eingeschlagen hatte, so faßteihn Lessing an. Wenn diese Veränderung durch innere Triebfedern, durchden eignen Mechanismus der Seele erfolgt ist, schrieb er, so werde ichnie aufhöreu mich über Wieland zu verwundern. Ist sie aber durchänßere Umstände veranlaßt worden, hat er sich aus Absichten, mit Ge-walt in seine jetzige Denkungsart versetzen müssen, so bedaure ich ihnaus dem Innersten meiner Seele. Zu einer Zeit, da Wieland ver-hältnißmäßig noch wenig von seinem Weltbürgerthum und seiner fran-zösischen Manier ausgelegt hatte, griff Lcssing schon seine Verachtungder deutschen Nation und seine Gallicismen in der deutschen Rede an;und da er noch weniges in seiner späteren behaglichen und bequemenDarstellung geliefert hatte, fand Lessing in ihm einen erklärten Feind vonallem, was einige Anstrengung des Verstandes erfordert, der alle Wis-senschaften in ein artiges Geschwätz verwandelt wissen wolle. Sobaldsich Wieland auf das Schauspiel warf, erkannte ihn Lessing, immer mitdem gleichen Scharfblick, auf falschem Boden und schlug ihn heraus;lockte ihn aber zugleich an, auf dem von fern eingeschlagenen Wege vonden oberen Sphären herab weiter zu wandeln. Als er den Shakespeareübersetzte, bekannte Lessing, daß er zum Trotze der Welt, die sehr vielSchlechtes davon sagte, Lust hätte, sehr viel Gutes davon zu sagen. Undwie er endlich mit Musarion und Agathon auftrat, erkannte dies Lessingsogleich als jene Gattungen, die uns von dem Joche der Moralpoesiebefreien könnten; begrüßte sie feierlich, und verschwieg lieber die Aus-stellung, die er allerdings zu machen hatte, um den talentvollen Ver-fasser hier nicht abzuschrecken, wo er endlich auf seiner eigenen Natur au-gelaugt war.

So sehen wir Lessing gleichsam auf derHochwacht stehen und Alles,was in dem Reiche der deutschen Literatur vorging mit wahrer Sorg-falt beobachten. Er sagte einmal in seinen Rettungen: Ich kann mirkeine angenehmere Beschäftigung machen, als die Namen berühmterMänner zu mustern, ihr Recht auf die Ewigkeit zu untersuche», unver-diente Flecken ihnen abzuwischen, die falschen Verkleisterungen ihrerSchwächen aufzulösen, kurz Alles das im moralischen Verstände zu thun,was der Aufseher eines Bildersaals physisch verrichtet. Dies bezeichnetseine ganze Stellung zu unsrer Literatur vortrefflich. Er lehrte gleichsamuur malen, er führte hier und da nur die Hand, er ließ Andere gewäh-