Lessing.
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allein in seinen gelehrten Beziehungen, auch in seinem äußeren Verhal-ten strebte er ans dem engen Gleise der gemeinen Heerstraße heraus. Erhatte auf der Schule mit Jedem gleich, unter einerlei Verhältniß, Kostund Wohnung gelebt; er hatte nichts von Ueberfluß und Armuth, vonGenuß und Entbehrung gewußt. Jetzt kam er von armen Stipendienunterstützt nach Leipzig, und lernte Rangunterschiede kennen. Seinestrebende Natur ertrug keine Rücksetzung; auch später nahm er sich gernreich und spielte den Verschwender und schaltete, wenn Noth kam, innaiver Unbefangenheit mit der Kasse seines Nicolai. Er schämte sichseines hölzernen Anstands und lernte reiten, tanzen und fechten; seinVater fand dies kavaliermäßig, seine Mutter sündlich. SchmählicheVerläumdungen verfolgten ihn damals und später, die uns zeigen, wiewenig die Zeit eine freiere Bewegung in der Jugend dulden wollte.Der Vater tadelte ihn, mahnte ihn zur Theologie und warnte mit demVerlust des'Stipendiums: die Muttter, als sie hörte, daß er ihre Weih-nachtsstritzel mit Komödianten verzehrt habe, gab ihn aus. Briefe vonHaus meldeten ihm mit falschem Vorgeben, die Mutter sei todtkrank umihn von seiner bösen Gesellschaft loßzureißen; auch so erwarteten sie nicht,daß er hören und kommen werde. Aber er kam, bei bitterem Froste undhalberfroren. Das rührte die Mutter; und als er mit seinem Vaterüber Theologie sprach und seine theologischen Werke las, fand dieser,daß ihn die Lust Schauspieler zu werden und der Versuch, Schauspielezu dichten, unverdorben gelassen hatte, und die Vorwürfe unterblieben,die ihm bereitet waren. Nur die Schwester verbrannte ein Paar seineranakreontischen Lieder, und er steckte ihr dafür etwas Schnee in denBusen, ihren Eifer zu kühlen. So blieb er bis Ostern und es schienAlles gut. Er war aber kaum nach Leipzig zurückgekehrt, als er von dasich weg nach Berlin begab, von wo er der bekümmerten Mutter schrieb.Er sei in Leipzig lange Zeit so fleißig gewesen, daß er Gott und die Weltvergessen habe. Aber er habe mit der Zeit einsehen gelernt, daß ihn dieBücher nur gelehrt, nicht zum Menschen machen würden. Er habe sichneben Anderen bäuerisch und verwildert gefunden, er habe sich körperlichzu bilden und gesellig zu werden gesucht, indem er neben ernsten auchangenehme Werke gelesen. Er habe aus der Komödie die Tugend liebenund das Laster verlachen gelernt, er habe sich selbst aus ihr kennengelernt und seitdem viel über sich gespottet. Er habe selbst Komödien zumachen versucht, und mit Erfolg und Beifall; da hätten sie ihn mit derBerufung nach Hause gestört. Einig über seine Studien sei er niegewesen; Medicin hätten die Eltern nicht gewollt, Theologie Er nicht.