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eines harmlosen Daseins zu ergreifen und mit heitern Grundsätzen einlanges Leben zu erreichen. Aber eine gehaltvollere Unsterblichkeit istjenem gewisser, den seine freien menschlichen Kräfte von dem Boden,auf dem er gewachsen war, losreißen, der sich auch auf die Gefahr einestragischen Endes nicht genügt, Gott zu leiden, die Welt gehen und ruhigauf sich wirken zu lassen, sondern der sich mit dem Schicksale cinzustim-mcn, mit ihm auf den Gang der Dinge zu wirken, mit ihm die kühneWette wagt, was menschliche Freiheit vermöge, indem sie sich dem Gesetzedes Weltgangs anschließt. Lessing's Wirksamkeit war ganz dieser Art.Seine Beschäftigungen waren vielleicht immer ohne Plan, nie ohne denschärfsten Instinkt begonnen; mit der Zeit hellte ihm die Erfahrung undErkenntniß das Bewußtsein auf; er ergriff nun seine Partie, liegen zulassen oder fortzuführcn mit gleicher Energie, und man kann sagen, erhat nach den ersten Irrgänger: seiner rathloseren Jugend niemals fehlgehandelt. Wenn man seinen literarischen Tätigkeiten nachforscht, sokann man im Einzelnen verlorne Zeit, und unreife Fragmente und biblio-thekarischen Dilettantismus bedauern, aber wenn man das Ganze seinerwissenschaftlichen Bildung überschaut, so erkennt sich wohl die Bedeu-tung selbst der geringsten Kollektancen die er gemacht hat. Wenn manseinem unsteten Leben folgt, so schlösse man leicht auf einen unruhigenMenschen, dem cs nirgends Wohl war als auf der Straße, aber siehtman näher zu, so war das ganze seiner menschlichen Charakterbildungnothwendig in dieser Eigenheit bedingt, und durch alle seine Kreuz- undQuerzüge schlingt sich ein rother Faden hindurch. Es ist die ewigeWidersetzlichkeit gegen den faulen Schlendrian der deutschen Kleinmeistcrciund die Armseligkeit des deutschen Gelehrtenlebens, das fortwährendeRingen eines freien Geistes gegen die vielfachen Hemmungen der her-kömmlichen Verhältnisse und Bildung. Wir haben bei Klopstock undWieland, die uns durch eigenthümliche individuelle Bildungen interessir-ten, ausschließlich auf ihre inneren Lagen gesehen; diesem Manne, derseine Schule in der weiten Welt machte, müssen wir ein wenig in seineäußeren Verhältnisse folgen^').
Gotthold Ephraim Lessing (auö Camenz 1729—8k) stammte auseiner frommen und rechtgläubigen Pfarrcrfamilie. In seinem Vater, derihn vielfach selbst unterrichtete, scheinen sich einige Züge des Sohnes zu
töl) Vergleiche Lessings Leben von seinem Bruder. — Eine diel vollständigereBiographie hatte Danzel, G. E. Lessing, sein Leben nnd seine Werke. Leipzig 1850.begonnen.