und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 253
bildungen und der Schwärmerei zu schildern, die er selbst so gründlicherfahren hatte. Jetzt war er auf dem rechten Wege zu einer selbständigenDichtung, wie Klopstock, als er über vaterländische Epen nachsann,allein er verfehlte wie dieser die unmittelbaren Ideen der Zeit, und griffin solche engere Jdeenkreise, die wieder nur einer kleinen Oligarchie nahelagen. In der ganzen Zeit lag der unausgebildete Gedanke, gegen dieseraphische Epopöe mit einer neuen Don Quirotiade zu Felde zu ziehen;die ganze Reihe der komischen Epopöen zeigte diese dunkle Absicht undzugleich das Unvermögen, sie auszuführen. Lessing, als er den Planmachte, Gottsched auf die Seraphimjagd zu schicken, traf das rechte miteinfachem Takte; ein solches Werk, was nach beiden Seiten hin diepraktischen Naturalisten und Supranaturalisten, die Empfindlings- undVerstandesmänner hätte verspotten müssen, würde bei der ungeheurenAufregung, die über diese Gegenstände herrschte, eine gewaltige Wir-kung gehabt haben. Aber hier machte Wieland einen Fehler, der sichnachher durch sein ganzes Leben, ja durch die ganze Geschichte der deut-schen Satire zog. Er wollte das Jahrhundert nicht streicheln, er wolltees aber auch nicht geißeln; er kitzelte es daher, und machte ihm wederFreude noch Schmerz. Er satirisirte, und wagte es doch nicht, unmittel-bar gegen die schwache Seite der Zeit loszuziehen; er führt daher Sei-tenhiebe gegen Dinge, die der Nation fremd waren, gegen Schwächen,die mehr seine eigene zufällige, eigene Natur betrafen, als den Körperdes Volks, und hier ist er mit seinem Gegenfüßler Jean Paul, der ihmspäter die Rolle des deutschen Sterne oder Rabelais abnahm, ganzgleich. Statt daß er also, wie es ihm nach seinen eigenen Erfahrungenund nach der Stimmung der Zeit am nächsten lag, die Verirrungen derseraphischen Periode zu seiner Aufgabe genommen hätte, so ging er vor-sichtig so vorbei, daß er Niemandem wehe that, und er deutet diese seineweltkluge Vorsicht in dem vorliegenden Falle selbst in einem Briefe anGeßner an, wo er sagt, man müsse die Vorurtheile nicht achten, aberihnen wie Ochsen aus dem Wege gehen. Er setzt also als Vertreter derschwärmerischen Verirrungen den Geschmack an Fecnmährchen, der da-mals in Frankreich herrschte. Aber in Deutschland waren diese Dingekaum durch die nürnberger Uebersetzung des Kabiuets der Feen bekannt,und der Hieb fiel also ganz flach. Unglücklicherweise wetteiferte er nunmit Don Quirvte; in einem Helden und einem Werke,^das bloßen Bü-chern, den schalen Erfindungen einer Frau d'Aulnoy entgegensteht, mitdem große» Gedichte, das sich einer ganzen Welt und einem Principeentgegenwarf, das Jahrhunderte geleitet und zuletzt aus Entartung mis-